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Große Erfolge, große Zahlen, große Gefühle

Rückblick auf ein intensives Jahr im Spiegel der zentralen Brost-Projekte

55.555 – schöne Bescherung in fünf Zahlen! Schon vor Weihnachten konnte die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen diese Besucher-Schnapszahl im „Udoversum“ feiern. Die große Retrospektive „Udo Lindenberg: Kometenhaft panisch – Likörelle, Udogramme, nackte Akte & viel mehr“, gefördert von der Brost-Stiftung, wurde angesichts des großen Erfolges zweimal verlängert bis zum 18. Januar 2026.

 

„Wir haben die Kapazitäten für die Führungen im Januar wegen der großen Nachfrage noch einmal aufgestockt.“, kündigt Frank Bartsch an. Der Udo-Vertraute hat die Ausstellung gemeinsam mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt kuratiert und ist vom Ansturm überwältigt. „Angefangen mit der Vernissage und dem Liveauftritt von Udo Lindenberg hat sich das Projekt mit der Brost-Stiftung zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Das macht Lust auf mehr.“

 

Die komplexe Werkschau des Panikrockers, begleitet von einer Phonothek mit allen Platten und historischen Filmsequenzen war DAS herausragende Brost-Projekt 2025, bis zum Finale werden mehr als 60.000 Besucher erwartet. Aber auch mit deutlich kleineren Gästezahlen gab es bewegende Momente und nachhaltige Erlebnisse…

Heimatgefühle in der Kirche

„Heimat Ruhr“ setzte den Dialog über Identität, Zugehörigkeit und Wandel im Revier fort, moderiert von Peter Lohmeyer und künstlerisch begleitet von Marcus Kiel. In der Christuskirche Wanne-Eickel sprach Tekin Nasikkol, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender von thyssenkrupp, im April über „Arbeit und Identität“ im Ruhrgebiet. Die ARD‑Journalistin und Moderatorin Siham El‑Maimouni offenbarte beim zweiten Treffen ihre ambivalenten Gefühle zum Revier ihrer Jugend.

„Im Kirchenraum ist eine besondere Stimmung entstanden.“, erinnert sich Kiel. „Es war für uns sehr emotional, auch angesichts der vielen Menschen. In der ersten Staffel von Heimat Ruhr hatten wir in verlassene Ladenlokale eingeladen, der Platz war beschränkt. In den Kirchenbänken drängten sich diesmal jeweils weit über 200 Gäste.“

Zur Fortsetzung sondieren die Organisatoren gerade geeignete Veranstaltungsorte und Kooperationspartner.

Nachhaltig glücklich

Mit „Ruhr Natur“ führt die Stiftung das Austauschprogramm zwischen Ruhrgebiet und Südtirol fort, das Kindern Naturerfahrung, Umweltbewusstsein und Klimaschutz nahebringt. Weit über 200 Schülerinnen und Schüler aus bisher neun Schulen beider Regionen nahmen an Austausch, Exkursionen und Projekten teil. Für viele junge Menschen war dies nicht nur der erste Kontakt zum naturnahen Lebensraum der Berge, sondern die erste Auslandsreise überhaupt. „Eine Schülerin sagte, dies sei das Schönste, das sie je in ihrem Leben erlebt habe.“, berichtet Markus Schalker, Lehrer am Dortmunder Leibniz-Gymnasium.

 

Die Schüler vom Oberschulzentrums (OSZ) Schlanders besuchten übrigens erst Anfang Dezember mit ihren Gastgebern vom Leibniz-Gymnasium im Rahmen des Austauschprogramms die Ausstellung „Kometenhaft panisch“ in Oberhausen.

Impulse für das Ruhrgebiet

Der Brost-Ruhr-Preis hat inzwischen einen festen Platz im jährlichen „Festkalender“ des Reviers, 2025 wurden die Chefs der Häfen Duisburg und Rotterdam, Markus Bangen und Boudewijn Siemons, für ihre nachhaltige, grenzüberschreitende Kooperation ausgezeichnet. Die Dotation von 20.000 Euro pro Preisträger geht an die DLRG-Ortsgruppe Duisburg.

 

Zu den „VIER VON HIER“, den gefeierten Preisträgern des Vorjahres, sind enge Bindungen entstanden. Peter Lohmeyer, Joachim Kròl, Dietmar Bär und Armin Rohde bleiben der Brost-Stiftung als Projektpartner verbunden, gemeinsam wurden neue Ideen und Impulse zur Bereicherung des Lebens der Ruhrgebietsmenschen entwickelt.

 

Bär spricht in der neuen literarischen Reihe „Reviergeschichten – Fragen eines lesenden Schauspielers“ beispielsweise in Häusern wie der KAUE Gelsenkirchen mit Autorinnen und Autoren über ihre Bücher und den Bezug zum Revier. Dabei tritt der „Tatort-Kommissar“ explizit als neugieriger Leser auf und verknüpft bei der Literaturvermittlung die eigene Herkunft mit gesellschaftlichen Debatten zur Identität des Ruhrgebiets.

 

Das erste Gespräch mit Autorin Lisa Roy kreiste um ihr Debüt „Keine gute Geschichte“, autobiografisch geprägte Orte im Ruhrgebiet und die Frage, wie Herkunft literarisches Erzählen formt. Roys Blick auf Essens Norden als ärmste Postleitzahl Deutschlands diente als Ausgangspunkt, um über soziale Ungleichheit und Repräsentation in der Literatur zu sprechen.

Kunst, die schneller rostet

Einen eher handfesten Zugang zur bewegten Ruhrgebietshistorie versucht das Kunstprojekt „Holz trifft Stahl“, an dem Marcus Kiel und der kanadische Holzbildhauer Carey Newman zusammenarbeiten. Eine kreisförmige Skulptur mit sechs Pfeilern soll auf der früheren Zeche Hugo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Holz und Stahl verknüpfen. Über den Jahreswechsel werden die Bodenarchitektur vollendet und die stählernen Doppel-T-Träger gesetzt, die mit den bereits fertigen Holzarbeiten von Carey verbunden werden. Ein besonderer „Kunstgriff“ Kiels: Damit die Stahlträger schneller eine rostige Patina bekommen, werden sie sandgestrahlt und so von ihrer Schutzschicht befreit. Im Mai soll der Erinnerungs- und Begegnungsort eingeweiht werden.

 

Zum Schluss noch einmal große Zahlen: Seit Gründung hat die Brost-Stiftung 287 Projekte mit einem Fördervolumen von mehr als 56 Millionen Euro auf den Weg gebracht.