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Heimat entsteht, wenn Menschen etwas bewegen

Heimat entsteht, wenn Menschen etwas bewegen

Unsere Veranstaltungsreihe "Heimat Ruhr ll - Vor Ort mit Peter Lohmeyer"

Ein Quartier im Wandel, junge Musikerinnen und ein ehemaliger Fußballprofi, der in Gelsenkirchen sein Zuhause fand: Das Veranstaltungsformat „Heimat Ruhr II“ der Brost-Stiftung brachte am 17. September 2026 in der Kalten Halle in Gelsenkirchen-Ückendorf Menschen und Geschichten zusammen. Gemeinsam mit seinen Gästen ging Schauspieler Peter Lohmeyer der Frage nach, wie aus einem Ort Heimat wird.

 

Mit Formaten wie „Heimat Ruhr“ fördert die Brost-Stiftung den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Ruhrgebiet und macht Menschen sichtbar, die ihre Nachbarschaften, Städte und Regionen aktiv gestalten. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Heimat dort entsteht, wo Begegnung ermöglicht, Verantwortung übernommen und gemeinschaftliches Engagement gelebt wird.

Neue Impulse für Gelsenkirchen-Ückendorf

Zum Auftakt erinnerte Lohmeyer an den ersten Teil des Formats: „Bei ‚Heimat Ruhr I‘ haben wir eine Tour durch leerstehende Ladenlokale im Westen gemacht, um aufzuzeigen, was man alles verändern könnte. Jetzt, in der Fortsetzung, suchen wir Kulturorte, die noch ein bisschen angestoßen werden könnten. Orte, an denen kulturelle Vielfalt wachsen und Begegnung entstehen kann.“ Dabei hatte sich die Brost-Stiftung zum Start ganz bewusst für die Bochumer Straße entschieden. Das Quartier diene als Leuchtturmprojekt, als bestes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn Menschen anfassen und die Stadt sich beteiligt.

 

Bereits vor Beginn der Veranstaltung verschafften sich Dr. Boris Berger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung, Peter Lohmeyer und Gerald Asamoah gemeinsam einen Eindruck von der Bochumer Straße. Im Austausch mit Akteurinnen und Akteuren vor Ort sowie bei einem Rundgang durch das Quartier wurde sichtbar, wie viel Engagement, Kreativität und Gemeinschaftssinn den Wandel in Ückendorf prägen. Die Eindrücke lieferten zugleich einen passenden Einstieg in die Gespräche des Abends über Heimat, Identifikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

 

Den musikalischen Auftakt sowie den Abschluss des Abends gestalteten junge Künstlerinnen der MädchenMusikAkademie (MMA) aus Gelsenkirchen-Ückendorf. Ihre selbstgeschriebenen Songs, die auch Teil der Manifesta 16 Ruhr waren, machten direkt hörbar, welches kreative Potenzial in diesem Ort steckt. Seit einigen Jahren bringt die MMA musikalische Bildung mit sozialpädagogischer Begleitung zusammen und stärkt Mädchen und junge Frauen mithilfe von Popmusik.

Eine Straße entdeckt sich neu

Das von der Brost-Stiftung erstellte filmische Quartiersporträt „Heimat entsteht“ nahm das Publikum zum Einstieg mit auf die Bochumer Straße, zeigte Menschen, Orte und Initiativen, die den Wandel bereits geprägt haben und noch prägen. Wie tief diese Veränderungen reichen, beschrieb im Anschluss die Gelsenkirchener Netzwerkerin Kirsten Lipka. Von 1995 bis 2005 hatte sie in Ückendorf gelebt und erinnert sich: „Zu der Zeit war der Stadtteil zwar noch keine No-Go-Area, aber kurz davor. Mich hat damals keiner besucht hier in Ückendorf.“ Als sie ab 2019 wieder häufiger zurückkehrte, entdeckte sie neue Seiten des vertrauten Ortes – z. B. die Heilig-Kreuz-Kirche als Event-Location oder Treffpunkte wie das Café Ütelier. Heute engagiert sich Lipka sehr für das Quartier, gibt Stadtteilführungen und nutzt ihren Blog gelsenmylove, um gute Nachrichten von der Bochumer Straße zu verbreiten. „Damit die Menschen den Stadtteil wieder neu entdecken und merken: Hier ist es gut.“

Zechenholz als Grundlage für das Zusammenkommen

 

Auch der bildende Künstler Marcus Kiel möchte zur Entwicklung des Quartiers beitragen. „Ich kenne Ückendorf von verschiedenen Ausstellungen und merke, dass hier viel im Umbruch ist. Ich bin begeistert von dem Ort, von dem, was hier passiert und von den Menschen, die den Ort gestalten.“ Zur weiteren Gestaltung brachte auch er eine Idee mit: Aus rund 200 Holzbohlen aus mittlerweile geschlossenen Zechen sollen Sitzmöbel für die Kalte Halle und Bochumer Straße entstehen. „Damals dienten die Bohlen als Grundlage für sichere Wege“, so Kiel. „Nun sollen sie als Grundlage dienen, um ins Gespräch zu kommen. Als Grundlage für Austausch, Kommunikation und Zusammenkommen.“

Von No Go zu To Go

 

Federführend vorangetrieben und begleitet wird der Wandel der Bochumer Straße von der Gelsenkirchener Stadterneuerungsgesellschaft SEG – ganz nach dem Motto „Von No Go zu To Go“. Rund 40 Gebäude sind aktuell im Besitz der SEG. Einige werden bereits ertüchtigt, andere warten noch auf die Sanierung. „Ganz toll finde ich, dass die Initiative hier aus dem Quartier heraus kommt“, sagte SEG-Geschäftsführer Tobias Clermont. „Leute kommen neu rein, haben eine Idee, man kommt ins Gespräch und dann entwickelt sich daraus etwas. So entsteht lebendiger Wandel.“ Für die Kalte Halle stellte er die Herrichtung bis Mitte 2027 in Aussicht: mit neuen Fenstern und einem neu gestalteten Vorplatz, als offener Raum für die unterschiedlichsten Formate.

„Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt.“

Den zweiten Teil des Abends bildete das Gespräch mit Ex-Fußballprofi und Wahl-Gelsenkirchener Gerald Asamoah. Mit zwölf Jahren war er aus Ghana nach Deutschland gekommen, nach Hannover, wo seine Eltern bereits lebten. Der Start war nicht leicht: Asamoah erinnerte sich an die Kälte, die fremde Sprache und negative Erfahrungen auf dem Schulhof. Das Fußballspielen half ihm, Anschluss und Akzeptanz zu finden.

 

1999, im Alter von 21 Jahren, führte ihn sein Weg von Hannover 96 zum FC Schalke 04. Aus dem neuen Wohnort wurde ein Zuhause: „Ich bin nach Gelsenkirchen gezogen, wusste nicht, was mich erwartet und hab mich in die Stadt verliebt. An meinem ersten Tag hat es nur geregnet, aber ich hab mich sofort sehr wohl gefühlt. Die Leute haben mich hier von Anfang an so genommen, wie ich bin, es gab eine enorme Akzeptanz. Alle waren herzlich, ich hab nie irgendwas Negatives gespürt. Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt.“

 

Bis zum Jahr 2010 blieb er Schalke 04 treu und gründete in dieser Zeit auch die „Gerald-Asamoah-Stiftung für herzkranke Kinder“. „Ich will damit helfen, den Kindern das Lachen zurückzugeben“, so Asamoah. „Es gibt nichts Schöneres, als kranke Kinder wieder lachen zu sehen. Das war der Grund für meine Stiftung.“ Zum Stadtteil Ückendorf sagte Asamoah: „Es hat sich sehr viel verändert. Ich finde es geil, was hier entsteht!“

Initiative schafft Heimat

Zum Abschluss bündelte Peter Lohmeyer die Gedanken und Geschichten des Abends: „Heimat ist ein Begriff, der sich immer wieder verändert. Man sieht hier auf der Bochumer Straße, wie sich etwas verändern kann. Nämlich dann, wenn Menschen miteinander kommunizieren, die etwas verändern oder etwas erhalten wollen. Wenn man die Initiative hat, etwas zu machen, dann findet man Heimat.“

 

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