Zum Inhalt springen

Gänsehaut und Selbstbewusstsein

Gänsehaut und Selbstbewusstsein

Joachim Król schildert im Astra Theater sein (Seelen-)Leben als Schauspieler – ein Ansporn für die Ruhrgebietsmenschen

Ein überraschtes Raunen geht durchs Publikum, als Joachim Król gleich zu Beginn des Films „Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday“ formatfüllend auf der Kinoleinwand erscheint. Minuten vorher hatte der vielfach ausgezeichnete Schauspieler im Interview mit Desireé Rösch vor der Bühne des Astra Theaters in Essen live Einblicke in die Dreharbeiten und sein (Seelen-)Leben als Schauspieler gegeben und den Überraschungseffekt wohl vorausgeahnt. „Der Film ist über 25 Jahre alt und sie wundern sich ja jetzt schon fünf Minuten lang, wieso sieht der Kerl immer noch so fantastisch aus“, erzählt Król lächelnd. „Das liegt an meiner Frau, die da vorne sitzt – steh‘ doch mal auf!“ Beifall für Partnerin Heidrun und im weiteren Verlauf des Gesprächs viel Applaus für die Bekenntnisse eines Jungen aus dem Ruhrgebiet und seine ungewöhnliche Karriere.

Investition in Kinder des Reviers

Gemeinsam mit der Brost-Stiftung hatte Joachim Król am Samstagabend zur Filmvorführung eingeladen, seit September 2025 veranstaltet das Astra-Programmkino eine Werkschau mit seinen Filmen. Aus besonderem Grund: Nach seinem Leinwanddebüt vor 40 Jahren feierte der in Herne geborene Bergmannssohn schon 12 Filmpremieren in Essen, die Verbundenheit zur Region ist beim Wahl-Kölner ungebrochen. Król unterstützt zum Beispiel das Projekt „Circus Schnick-Schnack“ in seinem Heimatort mit 25.000 Euro aus der Dotation für den Brost-Ruhr-Preis 2024.

 

„Ich habe lange Gespräche mit dem Oberbürgermeister Frank Dudda geführt, der mich sehr beeindruckt. Wir waren damals noch nicht beim Du, also habe ich gesagt: Sehr geehrter Herr Dudda, ich habe 25.000 Euro – was machen wir damit?“. Den Zuschlag bekam schließlich das Projekt „Zirkus Schnick-Schnack“, das auf dem benachbarten Gelände von Króls früherer Grundschule aktiv ist. „Ein fantastisches Stadtteilprojekt, das unbedingt weiterarbeiten muss. Die machen semi-professionelle Zirkusarbeit mit Kindern aus dem ganzen Einzugsgebiet und tolle Shows“, sagt Król begeistert. „Im Februar stehen die, glaube ich, wieder in der Manege. Herne ist nicht so weit – also hin!“

Brost-Stiftung als enger Partner

Seit der Verleihung des Brost-Ruhr Preises besteht eine enge Verbindung zwischen der Stiftung und den vier Preisträgern, neben Król wurden noch seine Schauspielkollegen Peter Lohmeyer, Dietmar Bär und Armin Rohde ausgezeichnet. „Ich hätte den Preis auch allein genommen“, erinnert sich Król lächelnd. Und immer noch bewegt von den Gänsehautmomenten der Preisverleihung im Bochumer Schauspielhaus: „Wir hatten dort 1984 gemeinsam auf der Bühne gestanden, jetzt die Rückkehr in diesem Rahmen. Das war absolutes Homecoming.“ Begeisterung, die das Publikum offensichtlich teilte, die Veranstaltung war innerhalb weniger Minuten ausverkauft!

 

Seitdem sind die Ausgezeichneten in zahlreichen Initiativen der Brost-Stiftung aktiv, ein gemeinsames filmisches Projekt ist in Vorbereitung. Król möchte nicht nur hier die Menschen der Region zu etwas mehr Selbstbewusstsein animieren. „Die Leute aus dem Pott machen nicht viel Wirbel um sich, so ein „Mia san mia“-Gefühl wie bei den Münchnern geht ihnen völlig ab. Das ist nicht immer gut. Ich habe mal einen überragenden Gitarristen bei einem Konzert in Duisburg erlebt. Der sagte anschließend: Sie haben die Stücke wahrscheinlich schon besser gehört – aber nicht von mir. Das geht gar nicht!“

„Keine Nazis wählen!“

Król selbst hat sich im Laufe der langen Karriere inzwischen ein öffentliches Standing und Respekt erarbeitet, „Gloomy Sunday“ wurde beispielsweise im Jahr 2000 mit mehreren deutsche Filmpreisen und internationalen Awards ausgezeichnet. Was sollen die Besucher im Astra von der tragischen Geschichte von Liebe und Verrat während der deutschen Besatzung in Ungarn um 1938 mitnehmen? Króls Appell bevor im rappelvollen Kino das Licht ausgeht: „Keine Nazis wählen!“