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Können wir uns diese Energiepreise noch leisten?

Experten diskutieren Auswirkungen auf Haushalte, Industrie und Arbeitsplätze

Die aktuellen Ereignisse und Debatten vollziehen sich nicht vor der Haustür, gleichwohl hat die Genehmigung zur Erschließung der Gasvorkommen vor Borkum ab Dezember 2025 Auswirkungen auf Privathaushalte und Industrie im Ruhrgebiet. Das Gasprojekt soll als stabilisierender Faktor für die Energiepreise wirken, indem Preisspitzen auf den internationalen Märkten abgemildert und Transportkosten gesenkt werden. Wie können Energiepreise künftig fair gestaltet werden? Welche Rolle spielen Regulierung, Innovation und Entlastung? Und was bedeutet das konkret für Haushalte und Unternehmen? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftsforums NRW–Niederlande der Brost-Akademie.

Neben Resi Becker, CEO des führenden niederländischen Energieversorgers Essent, analysieren Dr. Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG sowie Britta van Boven, Geschäftsführerin von Gasunie Deutschland, aktuelle Entwicklungen auf dem Energiemarkt. Weitere Informationen zur Veranstaltung, finden Sie hier.

Existenzbedrohende Kosten durch Steuern und Umlagen

Im Fokus steht dabei auch die grenzübergreifende Kooperation zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Seit der Energiepreiskrise 2022 sind Haushalte und Unternehmen in beiden Ländern massiv getroffen, mit Spitzenpreisen insbesondere in Deutschland, wo die Angebotsseite durch wenig flexible Infrastruktur und hohe Abhängigkeit von Importen belastet wurde. Die Folgen sind teilweise existenzbedrohenden Kosten, verstärkt durch hohe nationale Steuern und Umlagen. Staatliche Entlastungspakete – etwa Energiepreisbremsen, temporäre Steuersenkungen und Direktzahlungen – konnten soziale Härten mildern, adressierten aber strukturelle Ursachen nur unzureichend. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) erwägen 37 Prozent der Industrieunternehmen, wegen der Energiewende die Produktion am Standort zu reduzieren oder Kapazitäten ins Ausland zu verlagern. Sie beruht auf einer Online-Befragung im August 2024, an der 3283 Unternehmen teilgenommen haben.

Dazu werden sich die Experten auf dem Podium dezidiert einlassen. Stichworte sind neben preistreibenden Steuern und Umlagen erhöhte Investitionen in Speicher und Netze, sowie eine stärkere Verzahnung der Märkte innerhalb Europas. Für bezahlbare Energie und sichere Versorgung sind grenzübergreifende Marktmechanismen, ambitionierter Ausbau erneuerbarer Energien, effizientere Netzplanung und harmonisierte regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend. Ohne Preisentlastung und Infrastrukturmodernisierung drohen Produktionsverlagerungen und Arbeitsplatzverluste. NRW und die Niederlande arbeiten in der Energiepolitik auf mehreren Ebenen eng zusammen, wobei die Schwerpunkte in der grenzüberschreitenden Nutzung von Gaspipelines, dem Aufbau von Wasserstoff-Infrastruktur und beim Offshore-Strom liegen. Ein dichtes Erdgasnetz verbindet die Niederlande (vor allem den Hafen Rotterdam und Groningen) mit den Industriezentren in NRW, Unternehmen wie Thyssengas und Gasunie betreiben und modernisieren die Leitungen.

Zukunft mit Wasserstoff und Offshore-Strom

Die Leitung Vlieghuis-Kalle wird derzeit zur ersten deutschen Wasserstoffimportleitung umgebaut und direkt mit niederländischen Hubs verbunden. Die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Parallel treiben die Niederlande den Ausbau von Offshore-Windparks wie Oranje Wind (795 MW, Bau ab 2026) voran, in enger Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen wie RWE und Total Energies. Über das Tennet-Netz wird der Strom bis nach NRW und ins rheinische Revier geleitet.
Neue Stromtrassen sollen künftig Windenergie direkt in die Industriezentren des Ruhrgebiets bringen, um Kohle- und Gaskraftwerke zu ersetzen und die Strompreise zu senken. Während die Niederlande dank schnellerer Genehmigungen und effizienter Prozesse deutlich schneller vorankommen, hinkt Deutschland – insbesondere NRW – beim Ausbau erneuerbarer Energien hinterher.

 

Es gibt viel zu besprechen, freuen Sie sich am 30. September (18.00 Uhr) auf
Resi Becker (Essent, NL), Dr. Markus Krebber (RWE, D), Britta van Boven (Gasunie D) in der FUNKE Lounge Essen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der DNHK statt.