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Wir machen Kinder wieder mobil

Während der Pandemie fehlte nicht nur Bewegung. Brost-Stiftung unterstützt Projekt im Essener Norden

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Die Zahlen alarmieren: Neun Prozent der Kinder haben seit Beginn der Corona-Pandemie an Gewicht zugelegt. Bei den 10- bis 12-Jährigen lag der Anteil sogar bei 19 Prozent, wobei deutlich mehr Jungen (24 %) als Mädchen (13 %) betroffen waren. Die Folgen dieser Studie der Universität München (TUM) beobachtet Andreas Klink, bei der Arbeiterwohlfahrt Essen verantwortlich für das Projekt Kindermobil im täglichen Umgang: „Man merkt nun deutlich, dass einige Kinder visuomotorisch eingeschränkter sind als vorher – sprich es fehlte und fehlt vielen schlichtweg an Bewegung während der Pandemie. Darauf hat die AWO beim Kindermobil versucht zu reagieren, indem man Koordinationsspielzeuge gekauft hat, die sich die Kinder ausleihen können, um Bewegung und Motorik spielerisch zu fördern.“

Nicht nur dabei wird die Initiative von der Brost-Stiftung unterstützt. Seit 2016 bereichert das attraktive, auffällige Wohnmobil mit Vorzelt, Sitzmöglichkeiten, Kochnische, Tischen und Bänken, sowie ausreichend Stauraum für Materialien den Alltag in den Quartieren des Essener Nordens. An vier Tagen in der Woche werden regelmäßig vier definierte Wohngebiete zu einer festen Uhrzeit angefahren – auch während der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen.

Klink: „Wir haben uns sehr darum bemüht, mit Hilfe aller Mitarbeiter trotz der schwierigen Situation den Betrieb aufrechtzuerhalten. Und damit in den Quartieren signalisiert, dass man auf unsere Unterstützung zählen kann.“ Bis zu 60 Kinder tummelten sich vor Corona rund um das Wohnmobil, alle hoffen, dass dieses sorglose Miteinander bald wieder möglich sein wird.

Neben dem Angebot an Spiel- und Sportgeräten steht gesundes Essen im Mittelpunkt, welches mit den Kindern gemeinsam zubereitet und gegessen wird. Diese (in kindgerechten Workshops verstärkte) Esskultur sensibilisiert dazu, viel frisches Obst oder Gemüse zu verzehren und ungesunde Speisen mit hohem Fett- und/oder Zuckergehalt möglichst zu meiden. Nach einem Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit geht die Corona-Pandemie mit steigenden Behandlungszahlen wegen Übergewicht und Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen einher. Demnach wurden 2020 in den Krankenhäusern 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer Adipositas behandelt als im Vorjahr. Mittlerweile gelten schon zwei Millionen Kinder in Deutschland als übergewichtig.

Über 40 Prozent der Kinder im Essener Norden beziehen Hartz-IV-Leistungen, in einigen Siedlungen erhalten 65 Prozent der Familien Unterstützung vom Staat. Hier diktiert oft allein der Preis der Lebensmittel den täglichen Speiseplan. 2,57 Euro täglich sieht der Hartz-IV-Satz für die Ernährung eines Kindes vor! „Das ist vor allem auch quantitativ ein sehr bedrückendes Problem“, sagt Bodo Hombach, Vorsitzender der Brost-Stiftung. „Unsere Förderung kann also nur ein Start sein!“

Rund um das Kindermobil stehen Sport- und Bewegung im Mittelpunkt, in Gruppenspielen werden die sozialen Kompetenzen der Kinder gestärkt. Eine kleine Bibliothek mit wechselnden Büchern sowie ein Snoozleraum, zum Lernen, Lesen und Entspannen vervollständigt das Angebot. „Das Wichtigste aber sind Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die den Kindern gegeben werden“, erklärt Jens Fischer, der als Erziehungswissenschaftler viele Monate mit dem Kindermobil unterwegs war.

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