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Verlegerin Julia Becker im BrostCast: Stoppt den Überwachungs-Kapitalismus!

Julia_Becker_ Copyright FUNKE Mediengruppe

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Julia Becker, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Funke Mediengruppe © FUNKE Mediengruppe

Verlegerin Julia Becker fordert im BrostCast Bundeskanzler Scholz zum konsequenten Vorgehen gegen Google und Facebook auf

05. Januar 2022

Das Wort „Verantwortung“ taucht in fast jeder Antwort auf, egal ob Julia Becker (49), Enkelin des WAZ-Gründers Jakob Funke und Chefin der Funke-Mediengruppe, über das Familienleben auf dem Bauernhof im Münsterland oder den Alltag als Verlegerin spricht. Von den Leitsätzen der Familie, die sie selbst schon als Kind geprägt haben, ist ihr vor allem das Lebensmotto der Großmutter in Erinnerung geblieben: „Es gibt nichts Schöneres und auch Gesünderes, als nach einem arbeitsreichen Tag abends müde ins Bett zu fallen.“

Im spannenden und abwechslungsreichen Gespräch mit Hajo Schumacher für den BrostCast, dem Podcast-Format der Brost-Stiftung, erzählt die Mutter von drei Kindern über die harte Schule des Ruhrgebiets, den Spaß an Treckerfahren und Ponyschieben, gebügelte Zeitungen, Buletten mit Zwiebeln sowie die Ausdauer starker Frauen. 

Nachdem sie mit ihren beiden Geschwistern zusammen im Sommer 2021 die Mehrheit der Verlagsanteile erworben hat, will sie im Sinne ihres Großvaters mit dem in „unendlich guten Jahren“ erworbenen Vermögen das Verlagshaus zukunftsfest aufstellen.

Becker: „Wir wollen jetzt investieren in alle Formen von Digitalisierung, statt zunächst die eigenen Taschen zu füllen.“ Es gelte, die Spitzenposition in Deutschland zu halten, die sich die Funke-Mediengruppe als Herausgeber von Tageszeitungen UND Magazinen geschaffen habe. „Dafür haben wir sowohl die Strategie als auch die Führungsmannschaft. Wir werden die Alleinstellung mit offenem Visier verteidigen.“

Sie fordert aber gleichzeitig von der Politik, faire Rahmenbedingungen und Marktchancen zu schaffen. „Die Freiheit unserer Gesellschaft, sich eine freie und anspruchsvolle Presse leisten zu können, wird von den Tech-Giganten Google und Facebook mit dem Schaufelradbagger abgegraben“, so die Aufsichtsratsvorsitzende der milliardenschweren Funke-Gruppe. „Es läuft in Richtung eines Überwachungs-Kapitalismus, in dem privateste Daten zur Handelsware deklariert werden.“ Gleichzeitig würden die Medienhäuser an ihrer „empfindlichsten Stelle nämlich Vertrieb und Vermarktung“ getroffen, weil die in den Redaktionen generierten Inhalte einfach übernommen werden könnten.

Während bei den etablierten Medien jeder Beitrag über den Namen des Autoren rückverfolgbar sei, „übernehmen Facebook und Google keinerlei Verantwortung“. Becker: „Das ist bei diesen Plattformen nicht gewollt, wird toleriert, und dann zahlen die Tech-Giganten in Deutschland so gut wie keine Steuern. Ich erwarte, dass sich der neue Bundeskanzler Olaf Scholz dieser Problematik annimmt.“ Ansonsten sei sie sehr besorgt „im Hinblick auf Freiheit und Pluralismus unserer Gesellschaft“.

Hören Sie, weshalb ihr Ehemann Otto Becker sie nicht auf seinem Olympiapferd Dobels Cento reiten lässt. Und warum sie sich als Schülerin von ihrem Deutschlehrer wegen der Sportberichterstattung der WAZ kritisieren lassen musste. Die neue BrostCast-Folge finden Sie ab dem 05. Januar 2021. Bisher erschienen sind Gespräche mit Philosoph und Bestseller Autor Wolfram Eilenberger sowie Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck.

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