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Vorbild und Lieblingslehrer

Glückwunsch, Reinhold Messner! Selbst mit 81 Jahren fasziniert die Bergsteigerlegende ungebrochen junge Menschen

„Eine Schülerin sagte, dies sei das Schönste, was sie in ihrem Leben je erlebt habe.”
So beschreibt Markus Schalker, Lehrer am Leibniz-Gymnasium Dortmund, beispielhaft die Emotionen seiner Schützlinge beim Besuch der Dolomiten und der Begegnung mit Reinhold Messner vor einigen Monaten. Kann man der Bergsteigerlegende ein schöneres Kompliment zum Geburtstag machen? Am 17. September wird der König der 8-Tausender 81 Jahre alt!
Die Vorbereitungen auf den Festtag verliefen für Messner und Ehefrau Diane im Vollstress, im Rahmen einer großen Einweihungsparty wird gleichzeitig das neue Haus in Sexten eröffnet, in das die Eheleute selbst einzogen. Die Brost-Stiftung will die umgebaute Bergstation der Seilbahn am Berg Helm auch künftig als Zentrum für gemeinsame Projekte nutzen.

Im Rahmen des Schüleraustausches beim erfolgreichen Brost-Projekt „Ruhr Natur“ kommen seit Jahresbeginn junge Menschen aus dem Ruhrgebiet und Südtirol mit Projektpate Messner und Frau Diane hier mit Blick auf das Panorama der Gebirgsregion „Sextner Dolomiten“ zusammen. Auf Initiative der Messners ist hier ein Begegnungsort in der Natur entstanden, an dem Werte hinterfragt, vorgetragen und diskutiert werden, die Reinholds Leben geprägt haben: Gefahr, Entschleunigung, Stille, Nachhaltigkeit, Tourismus und Alpinismus.

„Reinhold Messner wird als Vorbild anerkannt, seine Lebensleistung und Authentizität schlagen eine Brücke zwischen den Generationen.“

— Dr. Boris Berger, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Brost-Stiftung

Reinhold Messners Persönlichkeit und Lebensleistung fasziniert die Jugendlichen immer noch – obwohl viele den Extrembergsteiger vor der Klassenfahrt gar nicht gekannt hatten. Wie erklärt er sich seine Wirkung auf junge Menschen? „Erstens bin ich als Nachkriegskind in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Damit kann ich schon einen Teil dieser Jugendlichen leicht ansprechen, weil ich weiß, was es heißt, bescheiden aufzuwachsen. Das trifft heute auch viele deutsche Kinder“, erklärt der fünffache Vater.

„Man darf nie aufgeben, muss für seine Ziele und Träume kämpfen. So wie es Reinhold Messner immer getan hat.“

— Schülerin Isabelle

Was nur wenige Menschen wissen: „Ich war eine Zeit lang Mittelschullehrer. Nicht als ausgebildeter Pädagoge, sondern in einer Zeit, als man in Italien plötzlich die Schulsysteme änderte und dann jede Menge Lehrer für die Mittelstufe fehlten. Das habe ich ein paar Jahre lang gemacht und dabei natürlich gelernt, in die Kinder hineinzuhören.“

Im Umgang schaftt Messner bis heute sehr schnell Vertrauen und Augenhöhe, bei Gymnasiasten der Oberstufe ebenso wie bei den Förderschülern aus Duisburg oder südtiroler Klassen des Berufskollegs. Nicht nur deshalb erweist er sich als herausragender Projektpate – vom Start weg!

„Ich lerne jedes mal neu, mit den jungen Leuten auf eine Augenhöhe zu kommen. Nicht nur für sie ist der Austausch vielleicht fruchtbar. Sondern auch ich lerne von den Schülern, wie sie die Welt sehen, warum sie die Welt so sehen.“

— Reinhold Messner

Er freut sich auf die Fortsetzung der gemeinsamen Initiative zur nachhaltigen Auseinandersetzung mit den natürlichen Ressourcen des Planeten. Für ihn steht dabei die physische Begegnung mit der Umwelt im Mittelpunkt. „Wenn sie die Möglichkeit haben, handgreiflich zu erfahren, was Schnee ist, wie sich ein Stein anfühlt oder wie anstrengend eine Bergwanderung sein kann, dann respektieren sie die Natur. In den heutigen Städten gibt es ja kaum noch die Möglichkeit, in Kontakt mit der Natur zu kommen.“

Die Relevanz des Projekts sei angesichts aktueller Entwicklungen noch größer geworden. „In Südtirol hat man jetzt von heute auf morgen alle Schulausflüge abgesagt. Nur wenn die Schüler alles selber bezahlen, findet etwas statt. Aber viele Eltern können das ja gar nicht. Und in Deutschland ist das sehr ähnlich“, kritisiert Messner. „ Aber der Schulunterricht in der Natur ist mindestens so wichtig wie der Mathematik- oder Naturkundeunterricht im Klassenraum. Nach Venedig oder Rom fahren im Maiausflug ist nicht unbedingt notwendig, aber außerschulische Lehrstunden oder Tage in der Natur sind ein Muss für jeden Schüler.“

Die Gespräche im Rahmen von „Ruhr Natur“ sollen im besten Fall die gesamte Lebenswirklichkeit und das gesellschaftliche Umfeld der jungen Menschen berühren. „Wir haben leider aktuell eine Debattenkultur, in der Meinungen wie die Weltanschauung einer Sekte vorgetragen werden. Die müssen wir aufbrechen“, wünscht sich Messner.

Damit wird Messner an seinem 81. Geburtstag zum lebenden Beweis, dass echte Größe nicht in Metern, sondern in Haltung und Wirkung gemessen wird und dass diese Wirkung kein Alter kennt.