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Der andere Blick im Dezember: Ein literarisches und künstlerisches Projekt über das Ruhrgebiet

Ein kubanischer Germanist und ein bildender Künstler begeben sich auf eine faszinierende Spurensuche durchs Ruhrgebiet

Ein Beitrag von Arian Irsula - Teil 2

Als Ergebnis der im Rahmen des Projekts „La otra mirada“ durchgeführten Forschung über die bedeutendsten Bräuche und Traditionen der Region Ruhrgebiet entstand eine Serie, die sich den emblematischsten Fußballstadien und -vereinen des Ruhrpotts widmet.

Wie in meinen Arbeiten der vergangenen Jahre basiert „La otra mirada“ auf der Verwendung von Makro- und Mikrofotografie, um charakteristische Elemente dieser Stadien sichtbar zu machen.

Besonders faszinierend ist für mich der ausgeprägte Fanatismus, den der Fußball in dieser Region Deutschlands hervorruft. Trotz ihrer vergleichsweise geringen Fläche besitzt sie eine bemerkenswerte kulturelle und symbolische Dichte rund um diesen Sport. Ihre historische Bedeutung innerhalb der Bundesliga sowie ihr Einfluss auf den internationalen Fußball machen das Ruhrgebiet zu einem zentralen Ort für das Verständnis dieses gesellschaftlichen Phänomens.

 

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Tradition sind die Ultras, jene Fangruppen, die mit großem Engagement und Kreativität ihre Mannschaften bedingungslos unterstützen. Hoch organisiert spielen sie bei jedem Spiel – ob zu Hause oder auswärts – eine entscheidende Rolle. Ihre Arbeit umfasst Choreografien, grafische Gestaltung, Slogans, Aufkleber und weitere visuelle Ausdrucksformen, die das Anfeuern zu einer eigenständigen Form kollektiver Identität und künstlerischer Praxis erheben.

Durch Mikro- und Makrofotografie möchte ich die Farben, Texturen und Details der in den Stadien zu findenden Logos und Aufkleber hervorheben. Die Bilder eröffnen, indem sie Strukturen sichtbar machen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben, neue Perspektiven:

 

Mal wird ein Verein durch ein minimales Fragment seines Designs erkennbar, mal durch eine charakteristische Farbgebung. Diese visuellen Elemente sind nicht nur Identifikationsmerkmale, sondern tragen auch Geschichte, Erinnerungen und oftmals die Ideologien der Gruppen, die sie gestalten, in sich.

La otra mirada verfolgt das Ziel, mittels dieser Mikroaufnahmen eine symbolische Collage zu schaffen, die die visuelle Essenz der Vereine zusammenführt und in den Ausstellungsraum überführt — als ein Werk, das die Geschichte, die Leidenschaft und die kulturelle Bedeutung des Fußballs im Ruhrgebiet und für seine Bewohner hervorhebt.

 

Für mich ist es unmöglich, die Region zu untersuchen, ohne den Traditionen der Ultras, ihren Stadien und den Mannschaften, die diese Identität prägen, einen zentralen Platz einzuräumen.