Manege frei für tolle Quartiersarbeit
Manege frei für tolle Quartiersarbeit
Circus Schnick-Schnack feiert Jugendtreff als Bereicherung seines Angebots
Über den Vorplatz brettern dreirädrige Tretcars, daneben warten hölzerne Rennschnecken am Spielmobil auf ihren Wettlauf. Zwischen Hüpfburg, Klettergerüst und Zirkuszelt liegt der Duft von Popcorn – hereinspaziert in den Circus Schnick-Schnack!
Zur offiziellen Eröffnung des Jugendtreffs strömten am letzten Augustwochenende hunderte Kinder und Eltern zum Zelt an der Grundschule Jürgens Hof in Herne. Ein Mitmach-Spektakel zwischen Manege, DJ-Workshop und kindgemäßem Nervenkitzel.
Der Jugendtreff bereichert das Angebot rund um das fest installierte Zelt. Von Montag bis Donnerstag, jeweils 14.30 bis 19.30 Uhr, betreuen Mitarbeiter und Ehrenamtler täglich rund 30 Kinder, finanziert wird das Angebot von der Stadt Herne im Rahmen des Jugendförderplans. Spenden und freiwillige Mitgliedsbeiträge helfen dabei, in den kommenden Monaten vier Projekte zu realisieren, über die die Jugendlichen selbst entscheiden. Derzeit sammeln sie an einem Ideenboard Anregungen für Spielgeräte auf dem neu gestalteten Abenteuerspielplatz.
„Der Zirkus bildet den operativen und kreativen Mittelpunkt“, erklärt der geschäftsführende Vorstand Christopher Deutsch. „Aber die Angebote und Initiativen gehen weit über das reine Zirkustraining für Kinder hinaus.“ Im fest installierten Zelt treffen sich Senioren zum Kaffee, Erwachsene und Kids nähen im Schneiderkurs Kostüme für die Auftritte. Regelmäßige Kulturveranstaltungen wie ein Poetry-Slam Ende September vervollständigen das Angebot, zu dem auch betreute Kindergeburtstage gehören.
Joachim Król spendete seine Brost-Ruhr Preis Dotation
Schauspielstar Joachim Król ist vom Projekt in der Nähe seiner früheren Grundschule begeistert: „Das Konzept eines generationsübergreifenden, diversen und inklusiven Stadtteilzentrums mit offenen Angeboten für alle hat mich sofort überzeugt.“ Er gab seine Dotation für den Brost-Ruhr Preis 2025 (25.000 Euro) an die Schnick-Schnack-Macher weiter, der Verein finanziert sich in weiten Teilen durch solche Spenden sowie freiwillige Mitgliedsbeiträge. „Manche Mitglieder zahlen einen dreistelligen Betrag, weil ihnen unser Angebot so viel wert ist und sie finanziell in der Lage dazu sind“, so Christopher Deutsch. „Andere zahlen angesichts des Familieneinkommens deutlich weniger, im Rahmen des solidarischen Miteinanders funktioniert das.“
Was ist der Circus Schnick-Schnack überhaupt?
Der Circus Schnick-Schnack e.V. ist Träger der freien Jugendhilfe, überregionaler Kulturanbieter, Betreiber der Kulturinsel Herne und damit auch neues Quartierszentrum im Stadtteil Herne-Sodingen (Elpeshof).
Der Verein versteht sich als Zirkus von Familien für Familien. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1997 von 20 Personen. Mittlerweile umfasst die Mitgliedschaft über 400 Menschen, 150 ehrenamtliche und zehn hauptamtliche Mitarbeitende leisten nach eigenen Angaben 30.000 Stunden gemeinnützige Arbeit im Jahr. Mit Projekten und (pädagogischen und kulturellen) Angeboten erreicht der Circus jährlich über 9.000 Menschen – generationsübergreifend, divers und inklusiv.
Am Eröffnungstag des Jugendtreffs wird offensichtlich, wie der Verein als Mittelpunkt des sozialen Netzwerks funktioniert. In der Manege zeigen Schülerinnen und Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums kindgemäße Akrobatik zwischen Mast und Bodenmatte. Die Lehrer Leo und Matthias betreuen an der Schule die Zirkus-AG, die eng mit dem Circus Schnick-Schnack zusammenarbeitet. Die Älteren turnen am Mast mit einer Ruhe und Konzentration, die das Publikum sofort mitnimmt. Bei den Jüngeren ist die Begeisterung spürbar, mit der sie Flic-Flac oder Flugrollen als Resultat ihres fleißigen Akrobatentrainings vorführen.
Zirkusspaß für Senioren
Rund um das Spielmobil der Stadt Herne können sich die Kinder ausprobieren, an einem langen Tisch im Eingangsbereich des Hauptzelts basteln einige gemeinsam mit Mutter oder Oma. Stichwort Oma: Zum Ü60-Zirkusprojekt meldeten sich 25 interessierte Oldies. Die mit der gleichen Begeisterung wie ihre Enkel ihre Geschicklichkeit erprobten und Kunststücke einübten. Fortsetzung fest geplant…
Maja (9) und Mats (14) sind dagegen schon Zirkusprofis. „Ich bin mit drei Jahren zum ersten Mal bei Schnick-Schnack gewesen“, erzählt die Kleine. „Mit sieben wurde ich in die Zirkusschule aufgenommen.“ Heute balanciert sie in der Manege auf dem Ball. Mats kam vom Einrad-Hockey mit besten Voraussetzungen in die Zirkustruppe und ist nach vier Zeltwochen hängengeblieben. Seine Begeisterung hängt an der Luftakrobatik: „Es macht einen unglaublich stolz, wenn ein neues Kunststück endlich klappt. Und die anderen freuen sich mit, hier ist jeder stolz auf jeden.“
Christopher Deutsch, geschäftsführender Vorsitzender des Vereins, beschreibt Schnick-Schnack e.V. nicht nur als Zirkusstandort. „Der Stadtteil hat sonst keine Sozialräume mehr, es gibt weder ein Café noch eine Kirche. Wir möchten möglichst vielen Menschen bei uns eine Gelegenheit zum Mittun bieten. Und der Eröffnungstag zeigt, wie gut es allen tut, diesen Ort zu haben.“
Für die nächsten 30 Jahre sei der Betrieb der festen Zeltstadt zugesichert. Bis dahin dürfte auch die letzte hölzerne Rennschnecke im Ziel sein…