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Beethoven begegnen

Beethoven begegnen

Kit Armstrong und Jan Caeyers zu Gast beim Klavier-Festival Ruhr

Seit mehr als 35 Jahren ist das Klavier-Festival Ruhr als hochkarätiges Musikereignis fest in der Region verankert. Auch in diesem Jahr finden zwischen Mai und Juli wieder mehr als 60 außergewöhnliche Konzerte statt. Als Festivalförderer unterstützt die Brost-Stiftung das Klavier-Festival Ruhr 2026 – und lud am 10. Mai ins Bochumer Anneliese Brost Musikforum Ruhr zu einem besonderen Konzert, ganz im Zeichen Beethovens 3. Sinfonie. Das Ziel des Abends: Beethoven nicht nur zu hören, sondern ihm ein Stück weit zu begegnen.

Eine andere Musik aus den gleichen Tönen

Das Konzert fand im Rahmen des Klavier-Festivals als Teil des europaweiten Projekts „Beethoven27“ statt. Initiiert vom belgischen Dirigenten und Musikwissenschaftler Jan Caeyers erklangen zunächst Beethovens Eroica-Variationen für Klavier, nach der Pause dann die gesamte 3. Sinfonie „Eroica“, jedoch nicht in der klassischen Orchesterversion, sondern in Ferdinand Ries‘ Arrangement für Klavierquartett. Ausnahmepianist Kit Armstrong sowie weitere fantastische Musiker aus Caeyers Ensemble „Le Concert Olympique“ (Friedemann Breuninger an der Violine, Lotus de Vries an der Viola und Franz Ortner am Cello) präsentierten das Werk mit Feingefühl, höchster Präzision und echter Spielfreude.

 

Dabei tat die reduzierte Besetzung dem Werk keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Wie Caeyers es in seiner einführenden Moderation formulierte, entstand im Zusammenspiel der vier Musiker „einfach eine andere Musik […], eine andere Sprache sogar, obwohl es die gleichen Töne sind.“ Perfekt aufeinander eingespielt begeisterte das Ensemble das Publikum, mit den leisen, minimalistischen Tönen ebenso wie in den eindrucksvollen Fugenpartien. Zuvor hatte Kit Armstrong die Zuhörenden bereits mit den dazu passenden Klaviervariationen in seinen Bann gezogen, die er nicht nur auf virtuose Weise, sondern auch komplett auswendig performte.

„Alle denken, dass sie Beethoven verstehen, dabei ist er einer der am schwersten zu verstehenden Komponisten überhaupt. Es ist meine Mission, das ein wenig zu korrigieren.“

— Jan Caeyers

„Als würde Beethoven selbst da sitzen“

Im Vorfeld des Konzerts konnten sich die Besucherinnen und Besucher bereits in einem einführenden Künstlergespräch auf den Abend einstimmen. Moderiert von Kulturjournalist David Eisermann, sprachen Jan Caeyers und Kit Armstrong über ihre gemeinsame Arbeit sowie über Beethoven als Musiker, Komponist und Mensch.

 

Kit Armstrong, den Jan Caeyers auch als „Denker am Klavier“ bezeichnet, betonte im Gespräch den besonderen Zugang, den Caeyers zu Beethoven habe. Dieses besondere Verständnis habe ihn daran gereizt, gemeinsam das Projekt „Beethoven27“ umzusetzen. Umgekehrt zeigte sich auch Jan Caeyers sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit Kit Armstrong. „Es ist ein bisschen, als würde Beethoven selbst da sitzen, wenn man mit Kit arbeitet“, sagte er. Gemeinsam haben sie sich vorgenommen, mit zahlreichen Konzerten in ganz Europa bis zum 200. Todestag von Beethoven im Jahr 2027 „einen anderen Blick auf Beethovens Musik zu bieten“.

 

„Alle denken, dass sie Beethoven verstehen“, fuhr Jan Caeyers fort, „dabei ist er einer der am schwersten zu verstehenden Komponisten überhaupt. Seine Musik ist zugleich sehr intellektuell und sehr emotional. Das ist etwas sehr Besonderes.“ Die 3. Sinfonie sei dafür ein gutes Beispiel, ergänzte Kit Armstrong. Man könne dort beide Perspektiven finden. „Das Gefühl, dass die Musik entgleist. Die Frage: Was macht der Komponist jetzt? Er hat so viele Ideen und die passen überhaupt nicht zusammen. Wenn man das Stück aber etwas besser kennt, erkennt man doch eine Logik, und es ist eine sehr strenge.“

Präzision als Konsequenz der gemeinsamen Interpretation

Das Verständnis des Werks sei also die Grundvoraussetzung für eine überzeugende Präsentation, darin sind sich beide Musiker einig. „Wir werden nie in der Lage sein, ein Werk zu 100 Prozent zu verstehen“, so Kit Armstrong. „Aber es gibt eine Aussage, eine logische Grundlage. Indem man ein Stück interpretiert, komponiert man es quasi neu. Nur dann ist es wirklich überzeugend.“ Und Caeyers fügte hinzu: „Genauigkeit und Präzision sind eine Konsequenz, kein Ziel. Wenn alle gleich denken und das gleiche Ziel haben, entsteht Präzision.“

 

Diese Präzision, diese gemeinsame Interpretation der Musik, aber auch die Leidenschaft für Beethoven und seine Werke war im Laufe des Abends deutlich wahrzunehmen. Das Publikum dankte es dem Ensemble mit Standing Ovations. Das im Jahr 2016 erbaute Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum, an dessen Errichtung die Brost-Stiftung maßgeblich beteiligt war, bot eine würdige Kulisse für dieses musikalische Ereignis.

Bildnachweise:

Titelbild: Klavier-Festival Ruhr © Peter Wieler

Foto 1: Klavier-Festival Ruhr © Dana Schmidt

Foto 2: Klavier-Festival Ruhr © Christian Palm

Foto 3 + 4: Klavier-Festival Ruhr © Dana Schmidt