Musik als Brücke ins Leben
Bei Jugendlichen mit unterschiedlichen Behinderungen kann Musiktherapie nicht nur die schulische Entwicklung unterstützen. Sie fördert Menschen auch in ihrem Alltagsumfeld
Die Bilder berühren und faszinieren zugleich. Wir sehen Menschen in seelischen Notlagen, durch körperliche Handicaps oder Schicksalsschläge behindert, am Leben teilzunehmen. Bis sie der Musik begegnen, die Herz und Sinne öffnet. Auf dem Youtube-Kanal der Fördergesellschaft für Musiktherapie treffen wir zum Beispiel auf Benji, einen kleinen Menschen mit Autismus-Diagnose. Zu Beginn ein ‘Schreihals‘, im Laufe der Behandlung lässt sich der kleine Mann immer mehr auf die Musik ein, hüpft und tanzt, am Ende singt er und kommt so zum Spracherwerb. Eine von vielen Mut machenden Erfolgsgeschichten…
Die Fördergesellschaft für Musiktherapie wurde 2005 gegründet, um Musiktherapie gerade für Kinder mit Behinderungen im ambulanten Setting zugänglich zu machen. Musik ist ein vorzüglicher Behandlungszugang – gerade zu nicht sprechenden Kindern. Aber seit 1992 besteht ein Ausschluss für die Musiktherapie als Leistung der gesetzlichen Krankenversorgung, der eine Refinanzierung ausschließt.
Patenschaften unterstützen Eltern
„In Schulen dürfen ebenfalls keine Leistungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden“, erklärt Prof. Dr. Lutz Neugebauer, Vorsitzender des Fördervereins. „Wir haben deshalb ein patenschaftliches Finanzierungssystem ins Leben gerufen.“ Die Behandlungen folgen einem Behandlungssetting, das sich an der psychotherapeutischen Versorgung orientiert. Es sieht zwei Behandlungssequenzen je 10-12 Sitzungen mit einer Pause zwischen beiden Behandlungsblöcken vor. Eine Evaluation der Therapiefortschritte erfolgt unter anderem im Rahmen der Elterngespräche. Es besteht eine umfangreiche Vernetzung mit den in Witten ansässigen Akteuren der Behindertenförderung: der Frühförderung, Autismusambulanzen, heilpädagogischen Praxen, Kinderärzten, sowie ausgewählten Schulen des Ennepe-Ruhr-Kreises für die Förderschwerpunkte Geistige Entwicklung und Emotional Soziale Entwicklung.
Die Brost-Stiftung hilft mit, Kindern den Zugang zur Musiktherapie zu ermöglichen. Im Rahmen des gemeinsamen Projektes wurden bereits Therapieplätze an kooperierenden Schulen für solche Kinder mit Behinderungen etabliert, die z.B. aufgrund der familiären Gegebenheiten ambulante Termine nicht regelmäßig wahrnehmen können. Professor Neugebauer: „Wir können in diesem und im kommenden Jahr durch die Förderung der Brost-Stiftung 12 Therapieplätze vorhalten. Das gibt uns einen Planungsrahmen, für den wir sehr dankbar sind.“
Transparenz und Anteilnahme
Die Qualitätssicherung des Angebotes erfolgt über die sorgfältige Dokumentation der Therapieverläufe, die Qualifikation der Mitarbeitenden, sowie über bestehende Strukturen der kollegialen Intervision und externer Supervision. Alle Mitarbeitenden sind akademisch ausgebildet, vom Berufsverband zertifiziert und unterliegen damit der Fortbildungsverpflichtung des Berufsverbandes. Nachweise über Therapiefortschritte und Entwicklungen werden durch Audio- und Video-Dokumentationen nachvollziehbar und zum Beispiel über die Youtube-Bühne einer größeren Öffentlichkeit nahegebracht.
Darüber hinaus wird die therapeutische Arbeit in Fachvorträgen, politischen Gesprächen bei Veranstaltungen des Nordoff-Robbins Zentrums oder im Rahmen von Publikationen diskutiert und so (unter Berücksichtigung der strengen deutschen Datenschutzrichtlinien) öffentlich zugänglich gemacht:
In zwei Schulen wurden bereits bewährte Angebote entwickelt, die durch die Förderung der Brost-Stiftung aufrechterhalten werden können. „Musik als Therapie bietet für Kinder mit Behinderungen besondere Möglichkeiten der Förderung“, fasst Professor Neugebauer die Gründungsidee des Fördervereins abschließend zusammen. „Da sie von der Erstattung im Gesundheitswesen ausgenommen ist, braucht die Fördergesellschaft die patenschaftliche Kostenübernahme im Rahmen einer mildtätigen Zuwendung. Kindern wird damit die Möglichkeit geboten, unabhängig von der sozialen Stellung der Familie, einen Zugang zur Musiktherapie zu erhalten.“