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Ruhr pur mit Fußball und Lindenberg

Schüleraustausch im Projekt „Ruhr Natur“ zeigte den Gästen hautnah, wo das Herz des Reviers schlägt

Beim letzten Exponat schlug es auch beim letzten Schüler ein: „Udo Lindenberg ist ja der, der mit Apache 207 singt…“

Das Bild neben dem Ausgang der LUDWIGGALERIE zeigt die charakteristische Udo-Figur mit Hut und markantem Profil, die einem Mann mit schulterlangen Haaren von hinten den Arm umlegt. Neben den beiden Kumpels steht groß: KOMET. Den gleichnamigen Hit von 2023 hatten selbst die Jugendlichen aus Südtirol schon gehört!

 

Gemeinsam mit ihren Gastgebern vom Leibniz-Gymnasium in Dortmund besuchten die Schüler des Oberschulzentrums (OSZ) Schlanders in der ersten Dezemberwoche die Ausstellung „Kometenhaft panisch“ in Oberhausen – mit Likörellen, Udogrammen, nackten Akten und mehr. Ein Zusammentreffen zweier Leuchtturmprojekte der Brost-Stiftung.

 

Im Rahmen des Schüleraustauschprogramms „Ruhr Natur“ erkundeten die Gäste aus Südtirol fünf Tage das Ruhrgebiet. Dabei ergab sich die Begegnung mit dem „Udoversum“ als zufälliges Highlight: Wegen des großen Erfolges war die Bilderschau des Panikrockers gerade um mehrere Monate bis zum 18. Januar verlängert worden!

Udos zeitlose Botschaften

Zum Start der Führung in die farbenfrohe Welt des malenden Musikers konnte nicht alle der 16- bis 18-jährigen Schüler mit dem Phänomen Lindenberg etwas verknüpfen. Auf die Frage „Wer kennt Udo Lindenberg?“ hob nur gut die Hälfte den Finger.

 

Im interaktiven Miteinander erschlossen sich während des Rundgangs zunehmend die Maltechniken und zeitlosen Botschaften Lindenbergs. Sowohl der Zyklus der zehn Gebote als auch die Auseinandersetzung von Mensch und Moral bei „Faust“ regte zu lebhaften Diskussionen an. Letztere wohl auch deshalb, weil die Schüler am OSZ sich gerade laut Lehrplan mit Goethes Klassiker beschäftigen.

 

Zuhause werden sie wahrscheinlich am ehesten über Udos farbspritzendes Schlagzeug in der Ausstellung erzählen oder wie man eine Farbpalette aus verschiedenen Likören zusammenstellen kann. Ein Nachteil bei der Malerei mit Schnäpsen: Blue Curacao oder Kaffeelikör sind nicht temperaturbeständig. „Das Bild läuft weg“ – so beschrieb die Ausstellungsführerin die Tropfnasen, die bei einigen Großformaten quer über das Gemälde liefen.

 

Dem optischen Feuerwerk folgte noch der Rundgang durch die Audiothek, in der die komplette Discographie von Udo Lindenberg zum Nachhören zusammengestellt ist, begleitet von Fotos und Filmen aus der Entstehungsgeschichte. Für die Schüler eine Zeitreise: Als Udo mit „Alles klar auf der Andrea Doria“ 1973 seinen ersten kommerziellen Erfolg hatte, waren teilweise nicht mal ihre Eltern auf der Welt.

Kletterspaß im Ruhrgebiet?!

Im Rahmen des Austauschprogramms hatten die Südtiroler am Vorabend im Signal-Iduna-Park das Ausscheiden von Borussia Dortmund im DFB-Pokal live verfolgt, rund um den Besuch der Lindenberg-Ausstellung besuchten sie das Centro in Oberhausen und trafen sich zum gemeinsamen Klettern in der Halle.

 

„Am aufregendsten sind die Shopping-Möglichkeiten“, schildert Naomi ihre Eindrücke. „Bei uns muss man zwei Stunden fahren, bis man in die nächste Großstadt kommt. Hier ist gefühlt an jeder Ecke ein Einkaufszentrum, eine Stadt geht in die nächste über.“

 

Gleichzeitig war die Gruppe vom „grünen Ruhrgebiert“ überrascht. „Wir haben erwartet, dass hier nur Fabriken stehen. Aber in Dortmund ist ja 50 Prozent der Stadt Grünanlage. Und alles ist so sauber“, beschreibt Naomi.

Jetzt wartet Reinhold Messner!

Mit ihren Klassenkameraden freut sie sich schon auf den Gegenbesuch der Dortmunder in Südtirol, der im Mai 2026 geplant ist. Dabei werden die jungen Menschen auch wieder mit Projektpate Reinhold Messner zusammentreffen. Für Lehrer Markus Schalker, der bereits im letzten Jahr eine Leibniz-Klasse in die Berge begleitete, gehören die Begegnungen mit Bergsteigerlegende Messner und Frau Diane zum Herzstück des Projektes: „Die Gespräche fesseln die Schüler, die Messners schaffen gleichzeitig ein nachhaltiges Bewusstsein für den Erhalt unserer Umwelt. Für die meisten Schüler gehört der Austausch zu den Höhepunkten ihrer Schulzeit.“