Zwei Häfen als Rückgrat Europas
Sie stehen stellvertretend für ihre Häfen: Die Leistungen von Boudewijn Siemons und Markus Bangen als Manager in Rotterdam und Duisburg zeichnet die Brost-Stiftung mit dem Brost-Ruhr Preis 2025 aus. Die Hafenchefs selbst sehen sich vor allem als „Ermöglicher“, die auf den gewaltigen Flächen am Wasser Raum für Innovation und Wertschöpfung geben. Von 12.500 Hektar Gesamtfläche in Rotterdam sind mehrere tausend Hektar vermietete Industrie- und Logistikflächen, die zahlreiche Start-ups beheimaten. Dazu kommen tausende Unternehmen aus den Bereichen Schifffahrt, Logistik, Energie, Innovation und Industrie. Besonders innovativ sind Projekte und Unternehmen, die im Rahmen des Accelerators PortXL und des Innovationsprogramms MATCH aktiv sind. Hier wird beispielsweise Start-ups und Unternehmen Zugang zu einem globalen Innovationsnetzwerk ermöglicht.
„Der Hafen von Rotterdam ist Europas Tor zur Welt. Er ist nicht nur der größte Umschlagplatz für Waren in Europa, sondern auch ein Leuchtturm für Innovationen und Nachhaltigkeit in der Hafen- und Logistikbranche.“
— Boudewijn Siemons, CEO Port of Rotterdam Authority
Rotterdam und Duisburg bilden den wichtigsten Versorgungskorridor der Region
Rotterdam versucht, durch die Kombination von Hafenlogistik mit neuen Technologien einen CO2-neutralen und intelligenten Hafen zu schaffen.
Zum Vergleich: Duisport verwaltet ca. 16 Millionen Quadratmeter Industrie- und Gewerbeflächen, davon ca. zwei Millionen Quadratmeter überdachte Lagerflächen.
Im Duisburger Hafen sind über 300 Unternehmen angesiedelt, darunter viele Logistikdienstleister, Industrie- und Handelsunternehmen.
Duisburg investiert stark in energie- und umweltfreundliche Technologien, z.B. mit der Erweiterung der Landstromversorgung für Schiffe. Das Technologiequartier Wedau und die Duisburger Dünen sind Innovationsstandorte mit Fokus auf forschungsnahe Produktion und moderne Büroflächen, die flexible Nutzung und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
„Der Duisburger Hafen ist von ganz großer, von entscheidender Bedeutung. Von existenzieller Bedeutung ist der Hafen mit über 40.000 Arbeitsplätzen für unsere Region und die wirtschaftliche Stabilität Nordrhein-Westfalens.“
— Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
Strategisch bedeutend in Krieg und Frieden
Beide Häfen kooperieren eng in Projekten zur klimafreundlichen Energieversorgung und Digitalisierung, was die Wettbewerbsfähigkeit der Region langfristig sichert. Darüber hinaus gelten Rotterdam und Duisburg als zentrale Energiedrehscheiben Europas. Politiker und Wirtschaftsfachleute betonen immer wieder die strategische Bedeutung beider Häfen für die europäische Wirtschaft, die Versorgungssicherheit und die Energiewende.
Rotterdam ist der größte Seehafen Europas und Duisburg der größte Binnenhafen der Welt. Gemeinsam bilden sie das Rückgrat der europäischen Güterverkehrskorridore, insbesondere entlang des Rheins. Die Wasserstraße ist dabei nicht nur für den klassischen Güterumschlag, sondern auch für die militärische Mobilität im Bündnisfall von entscheidender Bedeutung.
Rotterdam ist deutlich größer und trägt mit über 500.000 Arbeitsplätzen (bezogen auf die gesamte Niederlande) und einem Anteil von 3,2% am niederländischen BIP wesentlich zur Wirtschaft bei. Duisburg ist zwar kleiner, aber für die Region und die Industrielogistik von enormer Relevanz und wächst kontinuierlich.
Wirtschaftskraft in Zahlen
Der Duisburger Hafen ist das größte Binnenhafensystem der Welt und ein zentraler Logistikknotenpunkt in Europa. Mit einem Gesamtumschlag von 102,3 Millionen Tonnen und einem Containerumschlag von 4 Millionen TEU im Geschäftsjahr 2024 spielt er eine entscheidende Rolle für den Güterverkehr zwischen Nordseehäfen und dem europäischen Hinterland. Rund 52.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Hafenlogistik, was etwa 10 % der Beschäftigung in Duisburg ausmacht. Der direkte Umsatz der duisport-Gruppe liegt bei 356,3 Millionen Euro.*
Mit einem Güterumschlag von rund 436 Millionen Tonnen jährlich und einem Umsatz von etwa 882 Millionen Euro ist der Rotterdamer Hafen der größte Seehafen Europas und eine globale Drehscheibe für den internationalen Handel. Seine wirtschaftliche Wertschöpfung von über 60 Milliarden Euro für die Niederlande sichert rund 192.000 Arbeitsplätze allein in der in der Region. Damit ist Rotterdam nicht nur ein logistisches Zentrum, sondern auch ein bedeutender Motor für die niederländische Wirtschaft.*
Während Rotterdam als Seehafen eine globale Dimension erreicht, ist Duisburg als Binnenhafen unverzichtbar für die europäische Logistik. Gemeinsam bilden beide Häfen ein starkes Netzwerk: Rotterdam öffnet die Tür zur Welt, Duisburg verbindet sie mit dem industriellen Herzen Europas. Diese Partnerschaft schafft Synergien, bündelt Kompetenzen und sorgt für geballte Power – ein unschlagbares Duo für die Zukunft der Logistik.
Ausbaupläne und Visionen
Rotterdam schafft Voraussetzungen für Wasserstoffimport, mehrere Terminals sind für den Umschlag von Wasserstoff und Ammoniak bereit. Geplant ist der Ausbau von Wasserstoff-Pipelines sowie die Errichtung von Elektrolyseanlagen, darunter das Projekt „Holland Hydrogen 1“ mit 200 Megawatt Leistung. Bis 2030 sollen bis zu 2000 Megawatt Elektrolyse-Leistung erreicht werden. Zudem werden CCS-Pipelines für den Transport von CO2 auf die Nordsee gebaut.
In Duisburg wird in die Erweiterung der Landstromversorgung für Binnenschiffe investiert, neue Multi-Level-Lagerhallen entstehen, um den Flächenmangel zu kompensieren. Die Landstrominfrastruktur wurde auf 69 Anschlusspunkte ausgebaut, damit reduziert sich der Betrieb emissionsintensiver Dieselgeneratoren. Zudem werden Gastronomieangebote im Kultushafen realisiert.
Beide Häfen setzen auf die Stärkung des Rheinkorridors als nachhaltige Logistikachse und arbeiten gemeinsam an der Entwicklung von Wasserstoff- und CO2-Infrastrukturen, um die industrielle Zukunft Nordrhein-Westfalens und Europas zu sichern.
Titelbild: Binnenschiff auf logport I | Bild:© duisport/Oliver Tjaden
*Quelle 1: https://duisport.de/wp-content/uploads/2025/06/FactSheet_DE.png (Stand 21.11.2025)
*Quelle 2: https://www.portofrotterdam.com/de/online-erleben/fakten-und-zahlen (Stand 21.11.2025)