„Wir kommen unserem Ziel sehr nahe!“
Seit rund sechs Jahren stehen sie im Austausch, besuchen einander wechselseitig, lernen voneinander und gestalten miteinander: Das Kunst- und Kulturprojekt „Holz trifft Stahl“ der Brost-Stiftung hat die bildenden Künstler Marcus Kiel und Carey Newman aus Bochum und Vancouver zusammengebracht.
Während Carey Newman, der zum indigenen Stamm Kwakwaka’wakw der First Nations gehört, Totempfähle aus uralten Zedernstämmen erschafft, nutzt Marcus Kiel Relikte aus stillgelegten Zechen oder Stahlwerken, wie etwa Schuhe, Handschuhe oder Industrieputzlappen, die er in strenger Geometrie anordnet. Zwei ganz unterschiedliche Kunstformen – und doch verbindet beide Künstler ihr Blick auf die Welt, die Arbeit mit der Geschichte und der Erinnerungskultur ihrer jeweiligen Heimatregion: Ebenso wie der Kohlebergbau im Ruhrgebiet hat die Forstwirtschaft in British Columbia für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt – zugleich aber erheblichen Raubbau an den Ressourcen der Erde betrieben. Diesen Wandel in der Beziehung zwischen Menschen und Natur durch die Industrialisierung verarbeiten Newman und Kiel in ihrer Kunst.
Eine Skulptur für das Ruhrgebiet
Das greifbare Ziel des Austauschprojekts: ein gemeinsames, groß angelegtes Kunstwerk im öffentlichen Raum für das Ruhrgebiet. Dafür bringen beide Künstler ihre ganz eigenen Perspektiven und Techniken in das Projekt ein: Newman mit seiner Expertise in der Holzbildhauerei, Kiel mit seiner Erfahrung im Umgang mit industriellen Materialien wie Stahl.
Während der Coronazeit lag das Projekt zwangsläufig auf Eis – doch seit 2023 lassen beide die Vision für ihre gemeinsame Skulptur immer weiter Form annehmen. Ein passender Ort ist schon seit Längerem gefunden – die ehemalige Zeche Hugo in Gelsenkirchen –, aber auch Form, Beschaffenheit und Geschichte des Objektes werden nun immer konkreter: Eine Skulptur in Kreisform soll entstehen, bestehend aus sechs Pfeilern, die zusammen drei Räume bilden: Sie stehen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Um die Verbindung von Natur und Industrie weiter zu unterstreichen, sollen die Flächen zwischen den Räumen mit Pflanzen und Bäumen aus Kanada und dem Ruhrgebiet bepflanzt werden. Hölzerne Bänke an den Außenseiten laden zum Verweilen ein.
Im Video geben beide Künstler exklusive Einblicke in ihre Arbeit und zeigen schon einmal erste Teilelemente des Kunstwerks. „Nach fünf, sechs Jahren hin und her wird es jetzt ziemlich spannend, denn wir kommen unserem Ziel sehr nahe“, freut sich Carey Newman. Und Marcus Kiel betont den wertvollen Austausch sowie die gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe: „Die persönliche Chemie […] war von Anfang an gegeben. Meine Frau sagt immer: Ihr könntet Geschwister sein.“
„Wir haben diese Idee, [mit unserem Kunstwerk] die Vergangenheit zu ehren, die Gegenwart zu respektieren und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“
— Carey Newman
Enthüllung 2026
Was genau die Skulptur darstellen soll, überlassen Marcus Kiel und Carey Newman mit Freude der Fantasie der Betrachtenden: Sollen die Stahlträger Brücken sein? Eine gigantische Laterne? Die Wurzeln eines alten Baumes? Oder ist das Ganze vielleicht doch nur vergessener Schrott einer schwindenden Industrie? Wir dürfen gespannt sein.
Seien auch Sie gespannt auf das Endergebnis! Im kommenden Jahr 2026 soll die fertige Skulptur auf dem Gelände der Zeche Hugo präsentiert werden.