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Als Gäste gekommen, als Freunde gegangen

Im Projekt „Ruhr Natur“ begegnen Schüler aus dem Ruhrgebiet und Südtirol einer anderen Lebenswelt. Und knüpfen Kontakte fürs Leben.

Lilly war noch nie vorher im Gebirge, der Blick nach draußen haut die Schülerin aus Essen um. Eingefasst in den Fensterrahmen der Seilbahnstation entfaltet sich das Panorama der Gebirgsregion „Sextner Dolomiten“ – wie ein Gemälde, in eindrucksvoller Schönheit. Ein Moment zum Innehalten im wuseligen Treiben auf dem Hochplateau am Berg Helm – gemeinsam mit der Partnerklasse aus Südtirol treffen die Schülerinnen und Schüler aus dem Ruhrgebiet im Rahmen des Brost-Projektes „Ruhr Natur“ hier oben mit Bergsteigerlegende Reinhold Messner und dessen Frau Diane zusammen.

„Es sieht richtig schön aus“, sagt Lilly. „Ich habe noch nie Berge gesehen.“ Dem Erlebnis Seilbahnfahrt folgt die Erkundung der umgebauten früheren Bergstation. Auf Initiative der Messners ist hier ein Begegnungsort in der Natur entstanden. Nach einer Bergwanderung im Schnee laden Diane und Reinhold die Jugendlichen ein, in den lichtdurchfluteten Räumen, umgeben von den Figuren nepalesischer Götter, über Mensch und Natur zu diskutieren.

„Es gibt Projekte, von denen sagt man, sie sind sinnvoll. Und andere sind extrem sinnvoll. Dieser Schüleraustausch ist ein Projekt, in dem jeder Euro gut investiert ist.“

— Boris Berger, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Brost-Stiftung

Werte, die das Leben prägen

Im Mittelpunkte stehen beim Ausflug ins Gebirge Werte, die das Leben von Reinhold Messner geprägt haben: Gefahr, Entschleunigung, Stille, Nachhaltigkeit, Tourismus und Alpinismus.
„Man darf nie aufgeben, muss für seine Ziele und Träume kämpfen“, nimmt Isabelle aus Südtirol als Eindruck mit ins Tal. „So wie es Reinhold Messner immer getan hat.“
„Die upgecycelte Seilbahnstation ist ein architektonisches Statement für die Wiedernutzung einer ehemals wichtigen Struktur für den Tourismus in der Ferienregion“, erklärt Projektpate Messner. „Mit der Idee einer Begegnungsstätte bewahren wir die Station vor dem Abriss, bei dem Tonnen von Sondermüll entstanden wären. Durch die neue Nutzung konnten Material und Arbeitseinsatz gerettet werden als Symbol für Nachhaltigkeit.“

„Ich war beeindruckt von der Vielfalt und Hintergründigkeit der Fragen. Wir hätten das Gespräch mit den Schülern noch stundenlang fortsetzen können.“

— Reinhold Messner

Perspektivwechsel: Südtirol trifft Ruhrgebiet

Die Schülerinnen und Schüler aus Südtirol erlebten ihrerseits beim Gegenbesuch im Ruhrgebiet die Herausforderungen einer Industrieregion im Umbruch, die gleichwohl auch imposante Klettertouren bietet. Auf der begehbaren Achterbahn „Tiger and Turtle – Magic Mountain“ kamen nicht nur die Jugendlichen aus Duisburg ins Schwitzen, trotz der geringen „Gipfelhöhe“ von 20 Metern…
„Von hier oben sieht es ganz anders aus als bei uns“, staunt Michael aus Südtirol. „Wo die eine Stadt aufhört, fängt schon die nächste an.“
Das Projekt „Ruhr Natur“ möchte den jungen Gästen vermitteln, wie sich Urbanität und Natur harmonisch verbinden lassen. Gemeinsam erkunden sie, wie nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz in einem Industriezentrum wie dem Ruhrgebiet umgesetzt werden können.
Mit Projektpate Reinhold Messner erfahren die Schüler aus dem Ruhrgebiet die beeindruckende Bergwelt Südtirols, die gleichzeitig mit den Anforderungen von Massentourismus und Klimawandel konfrontiert ist. Diese aktuellen Themen sollen aufgegriffen werden, so Messner. „Nicht der Vergangenheit, der Zukunft gilt der Einsatz.“ Die Schüler aus dem Ruhrgebiet sollten „interagieren, Erkenntnisse mit nach Hause nehmen“.
Neben den intensiven Erlebnissen einer anderen Lebenswelt nehmen die Schüler vor allem auch zwischenmenschliche Kontakte mit auf die Heimreise – sie sind als Gäste gekommen und als Freunde gegangen…

Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Bockmühle aus Essen, der Duisburger Förderschule „Am Rönsbergshof“ und des Leibniz-Gymnasiums Dortmund sowie der Mittelschule in St. Michael (Gemeinde Eppan), der SSP Ahrntal in St. Johann und der Technologischen Fachoberschule Bruneck. Gemeinsam entdecken sie neue Perspektiven und lernen, die Natur und den Lebensraum des jeweils anderen besser zu verstehen.

Die Schüler erzählen

Das Video begleitet die Jugendlichen bei ihren Besuchen in Südtirol und im Ruhrgebiet. Besonders im Fokus stehen die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler mit vielen persönlichen Eindrücken, Stimmen und Momenten, die die Begegnungen lebendig werden lassen. Jetzt reinschauen!