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Raubbau am Paradies

In Fortführung des Projektes „Holz trifft Stahl“ trafen sich die Künstler Carey Newman und Marcus Kiel in Kanada. Auch hier ist Natur durch menschliche Ausbeutung bedroht

Die Kulisse ihrer ersten Begegnung symbolisierte die Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch Menschenhand: Carey Newman und Marcus Kiel wanderten über die Abraumhalde von Zeche Prosper Haniel. Jetzt trafen sich die beiden Künstler in Fortsetzung ihres gemeinsamen Projektes an einem magischen Ort wieder – paradiesisch und zugleich ebenfalls von menschlichem Raubbau gefährdet…

Kiel besuchte den kanadischen Holzbildhauer Newman in seiner Heimat Columbia, wo beide sich in einer kulturellen Begegnungsstätte am Rande eines Sees tagelang austauschten. Ein Holzhaus in traditioneller Bauart, behutsam renoviert etwa durch bodentiefe Fenster, malerisch gelegen im Wald, auf einem hohen Felsen mit direkter Anbindung an das tiefblaue Wasser.

„Die Magie dieses Ortes ist schwer in Worte zu fassen“, erklärt Newman, der zum Indianerstamm der Kwakwaka'wakw gehört. „Wir fanden ihn perfekt für weitere Inspiration in dem von der Brost-Stiftung angestoßenen Projekt Holz trifft Stahl.“

Baumriesen bewahren Ökosystem

Auch Marcus Kiel ist von den Eindrücken überwältigt: „In dieser Umgebung wird der Kopf frei. Wir haben eine Wanderung durch den Urwald im Carmanah Walbran Park gemacht. Hier stehen Bäume, die zum Teil schon über 500 Jahre alt sind. Diese Bäume zu sehen, war für mich sehr beeindruckend. Hier wurde mir nicht nur bewusst, welche Historie diese Bäume mitbringen, sondern auch welche Bedeutung sie für das Ökosystem haben.“

Um genau diese Zusammenhänge zwischen natürlichen Ressourcen und menschlichem Raubbau geht es im Projekt. Die industrielle Geschichte des Ruhrgebiets wird durch Eisen und Kohle geprägt und symbolisiert. Holz steht als Symbol für die Natur und die weite Landschaft Kanadas. Die Verbindung von Eisen und Holz ist die Verbindung von Ökonomie und Ökologie, Ziel der Künstler ist nicht nur Verbindung, sondern darüber hinaus auch Versöhnung zu gestalten.

Newman: „Wir besuchten nicht nur den naturbelassenen Urwald, sondern auch Orte des völligen Kahlschlags. Die Forstwirtschaft stößt an ihre Grenzen, wir Menschen können diese Erde nicht wie bisher einfach weiter konsumieren.“

Kunst als Anstoß zum Umdenken

Mit einem von beiden gestalteten Kunstwerk, das später einmal auf der Zeche Hugo seinen Platz finden könnte, wollen beide zum Nach- und Umdenken anregen. Die besondere Herausforderung liegt in der Verknüpfung zweier sehr unterschiedlichen Kunstformen. Kiel verwendet seit 25 Jahren Relikte aus stillgelegten Zechen oder Stahlwerken, wie etwa Schuhe, Handschuhe oder Industrieputzlappen, die er in strenger Geometrie anordnet. Die Fundstücke stehen für eine Vergangenheit verlorener Geschichten.

Carey Newman erzählt Geschichten, die Geist und Seele gleichermaßen berühren. Von Adlern, die zur Sonne aufsteigen, Drachen und Tigern. Er schnitzt seine Erzählungen in Holzstämme, mehrere Hundert Jahre gewachsen, im Durchmesser über einen Meter dick. Es dauert rund drei Jahre, bis aus dem meterlangen Zedernholz ein bearbeiteter „Totempfahl“ wird, gut drei Tonnen schwer.
„Noch ist völlig offen, wie sich die beiden aus Stahl und Holz gefertigten Teile ergänzen werden“, so Kiel, der auch die stählerne Skulptur des Brost-Ruhrpreises gestaltet hat. Dafür konnten sich die Künstler über den weiteren Zeitplan verständigen. „Ich plane, im Mai 2023 ein weiteres Mal nach Kanada zu reisen. Carey wird voraussichtlich dann im Juli nach Deutschland kommen und ich ein weiteres Mal im September nach Victoria reisen. Sollte der Zeitplan so bleiben, halte ich eine Realisierung unseres gemeinsamen Kunstwerks im Frühjahr/Sommer 2024 für machbar.“

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