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Ruhr(gebiet) hautnah erleben

Metropolenschreiberin Raphaela Edelbauer will die Region auch vom Wasser aus erkunden

Gestern lecker, morgen lit. - Raphaela Edelbauer erschließt sich mit allen Sinnen gerade ihr neues Leben. Die Wienerin ist seit Anfang Oktober auf Einladung der Brost-Stiftung als Metropolenschreiberin Ruhr unterwegs, Mülheim wird ein halbes Jahr lang ihr vorübergehender Wohnsitz, aktuell zieht es sie fast täglich nach Essen.

Mit welchen Erwartungen ist die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Übersetzern ins Ruhrgebiet gekommen? Edelbauer: „Ich bin neugierig auf eine einzigartige Region, mit spannenden demographischen Entwicklungen. In meinem Werk spielt Geologie eine große Rolle, deshalb hatte ich die romantische Vorstellung, unter Tage zu fahren und den Kohleabbau hautnah zu erleben. Offensichtlich komme ich dafür aber zwei Jahre zu spät.“

Rechtzeitig angekommen ist sie zum Start der lit.RUHR, am Donnerstag (07. Oktober) trifft sie im Rahmen des Literaturfestivals auf der Zeche Zollverein ihre beiden Vorgänger Ariel Magnus und Wolfram Eilenberger zur „Vermessung des Ruhrgebietes“ (19.00 Uhr). Edelbauer: „Dabei werde ich auf jeden Fall wertvollen Input bekommen und von den Erfahrungen der Kollegen profitieren. Es wird sicher ein spannendes Aufeinandertreffen, bei dem Ausblick und Rückblick auf die Besucher wartet.“

Bis dahin hat die passionierte Sportlerin (geboren 1990) in den ersten Tagen ihr neues Lebensumfeld laufend und radfahrend sondiert, sie kennt außerdem bereits mehrere Fitnessstudios der Umgebung von innen. Zur weiteren Erkundung des Reviers will sie weitere sportliche Begabungen nutzen: „Ich möchte, soweit möglich, die Ruhr mit dem Ruderboot abfahren. Mir ist die Perspektive vom Wasser auf die Umgebung sehr wichtig.“ Rund 100 Kilometer am Tag hält die Ruderin (Achter und Doppelzweier) dabei für eine machbare Strecke.

Welche Schwerpunkte setzt sie sich sonst noch bei ihrer ganz persönlichen Begegnung mit dem Ruhrgebiet? „Mich interessiert angesichts der vielfältigen und dichten Universitätslandschaft das Studentenleben der Region. Außerdem möchte ich mir anschauen, wie die Menschen des Ruhrgebietes mit ihren niederländischen Nachbarn entlang der gemeinsamen Grenze leben. Es ist eine Riesenchance, eine vergleichsweise lange Zeit zur persönlichen Begegnung mit den Menschen zur Verfügung zu haben.“

Die jüngste der bisherigen Metropolenschreiber hat relativ klare Vorstellungen, wie sie, neben regelmäßigen Videoclips die sechs Monate Ruhrgebietsaufenthalt verarbeiten wird. „Es soll ein literarischer Text entstehen, hier liegt meine Kernkompetenz. Vielleicht lassen sich bestimmte gesellschaftliche Fragen auch in einem Theaterstück behandeln.“

Nächste Woche wird sie noch einmal kurz auf Lesereise gehen, möglicherweise wartet dabei auf Raphaela Edelbauer auch noch die eine oder andere Auszeichnung. Ihr aktuelles Buch „Dave“ ist für den österreichischen Buchpreis nominiert…

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