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Ein Gemälde erzählt Geschichte(n)

Erich Brost wird in Ausstellung zum 75. Jubiläum der NRW-Gründung gewürdigt

Alles begann mit der legendären „Lizenz 192“ - eine Ausstellung zum Landesjubiläum würdigt Erich Brost (gestorben am 8. Oktober 1995) als Verlegerpersönlichkeit der ersten Stunde.

„Ab 1947 geben die Briten ihre Politik auf, Zeitungen eng an die demokratischen Parteien zu binden und öffnen den Markt, weil inzwischen ausreichend Papier und Vertriebswege verfügbar sind. Die Journalisten Erich Brost und Jakob Funke erhalten die Generallizenz zur Gründung der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ)“, heißt es in der Publikation zur Ausstellung, die bis zum 23. Mai 2022 im Behrensbau am Mannesmannufer in Düsseldorf zu sehen ist. „Der Sozialdemokrat Brost wird Chefredakteur, sein konservativer Mitinhaber Funke reüssiert als Verlagsleiter mit guten Verbindungen in die Region. Sie erlangen Reichweite im gesamten Ruhrgebiet.“

In der Ausstellung ist unter anderem ein gemaltes Porträt Brosts zu sehen, welches die Brost-Stiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.
Die sachliche Beschreibung einer bewegten Episode deutscher Geschichte ergänzte Anneliese Brost in einem Interview mit der WAZ um anschauliche Details. Sie beschreibt einen zunächst „unentschlossenen“ Erich Brost: „Er wollte ja eigentlich eine Karriere in der Politik machen. Ich war damals als seine Sekretärin seine rechte Hand. In einem hitzigen Gespräch bis in die Nacht zwischen ihm, meiner Mutter und mir haben wir ihn überzeugen können, dass es richtig und gut sei, das Angebot der Briten anzunehmen. Er tat es.“

So nahm eine Erfolgsgeschichte ihren Lauf, die im Buch zur Ausstellung so festgehalten wird: „WAZ und Bertelsmann verfügen über die Voraussetzungen, um sich auf dem internationalen Markt auszubreiten: Der WAZ-Konzern etabliert sich im internationalen Nachrichtengeschäft, Bertelsmann avanciert binnen vier Jahrzehnten zum globalen Medienkonzern.“

Die Startauflage der WAZ, die ab April 1948 dreimal wöchentlich mit vier Seiten erschien, lag bei 250.000 Exemplaren. Zum redaktionellen Konzept sagte Anneliese Brost: „Mein Mann wollte eine Zeitung im Ruhrgebiet und für das Ruhrgebiet schaffen, unabhängig und überparteilich und entschieden sozial. Die Zeitung sollte auch die internationalen und nationalen Themen niveauvoll abhandeln. Wer unsere Zeitungen abonniert, sollte keine zweite kaufen müssen, um umfassend informiert zu sein.

Es ging ihm um Qualität, Klarheit und Wahrhaftigkeit. Der Satz „Es stand in der Zeitung, also ist es wahr“, soll für die WAZ-Gruppe immer gelten.“

Die besagte „Lizenz 192“ hing bis zum Tod der Verlegerin und Stifterin am 8. September 2010 in ihrem Büro. Das Vermächtnis ihres Mannes gab sie nie auf. „Das Bekenntnis zur Region und zum Lokalen ist Herzstück der WAZ. Mein Mann mochte die Menschen im Ruhrgebiet genauso wie ich sie mag. Ich lasse die Werte meines Mannes niemals im Stich.”
Für Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung, gründet sich auf dieses Bekenntnis die Arbeit der Stiftung: „Anneliese Brost baute im Sinne ihres Mannes Brücken. Zwischen den Schichten und Gruppen. Zwischen Gegenwart und Zukunft. Das ist ihr bleibendes Angebot. Das wird täglich wichtiger. Darauf basiert unsere tägliche Anstrengung: Wir wollen fördern, was den Menschen hilft, unterstützen, was der Gemeinschaft dient. Damit nützlich sein für eine gute Zukunft des Ruhrgebiets.“
Die Jubiläumsausstellung „UNSER LAND. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“ zeigt die Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen vom 27. August 2021 bis 23. Mai 2022 im Behrensbau am Mannesmannufer in Düsseldorf, dem Sitz der Stiftung und Ort des künftigen zeithistorischen Museums zur Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Informationen hier.



Fotos oben und unten: (c) Michael Lübcke / Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen.

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