Zum Inhalt springen

Liebeserklärung auf den zweiten Blick

Ausstellung und Buchprojekt von Jesús und Arián Irsula eröffnen neue Perspektiven auf das Ruhrgebiet – und ihre Heimat Kuba

Der Ort ist perfekt gewählt, um die Villa Artis ranken sich Geschichte und Geschichten des Ruhrgebietes. Sie liegt unmittelbar am Park „Ruhranlage“ in Mülheim und bietet einen einzigartigen Blick auf die Ruhr – den bereichert das kubanische Künstlerduo Arián und Jesús Irsula im Rahmen des Projektes „Der andere Blick“ nun um eine spannende Perspektive. Über mehrere Stockwerke und Themenräume verteilt zeigt Arián in der gleichnamigen Ausstellung (Eröffnung Freitag, 12. Juni) unter anderem mikroskopische Aufnahmen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, sein Vater hat Beobachtungen und Erlebnisse in einer Publikation verarbeitet.

Während Jesús sich gedanklich auf die bevorstehende Heimreise nach Kuba vorbereitet, ist sein Sohn bis zur Vernissage im Dauerstress. Der Fotograf und bildende Künstler arrangiert in fünf Räumen seine persönliche Begegnung mit dem Ruhrgebiet, festgehalten beispielsweise in unterschiedlichen Perspektiven des fließenden Ruhrstroms. Entstanden sind jedoch keine Landschaftsfotos, Irsula kommt dem Fluss mit der Kamera ganz nahe.

„Die Strukturen der Wasseroberfläche wirken wie gemalt“, erklärt er. „Farbe und Formen des Flusses verändern sich ständig.“ In der von der Brost-Stiftung initiierten Ausstellung eröffnet sich ein „anderer Blick“ auf die allgegenwärtige Lebensader der Region. Gleiches passiert mit zahlreichen Gegenständen des Alltags, die etwa durch Mikrofotografie vollkommen fremd erscheinen. Erst durch intensive Beschäftigung erschließen sich beispielsweise die Detailfotografien von Vereinslogos oder Fan-Choreos im Themenraum „Fußball“.

„Die Auseinandersetzung mit meinen Arbeiten schafft ein neues Bewusstsein für den alltäglichen Lebensraum“, erklärt Arián seinen künstlerischen Ansatz, mit dem er weltweit Beachtung findet. Entdecken Sie durch seine Augen die Cranger Kirmes, Kohle und Stahl oder winterlich gestreute Straßen vor der Haustür neu…

„Der andere Blick von Jesús Irsula ist das Logbuch seiner Expedition ins Landesinnere. Zugleich ist es unsere Chance auf eine authentische Wahrnehmung seiner Heimatinsel.“

— Prof. Bodo Hombach, Vorsitzender des Vorstands der Brost-Stiftung

Für den Autor und Übersetzer Jesús Irsula ist sein Buch „Eine Reise ins Ruhrgebiet“ zur „Liebeserklärung“ der besonderen Art geworden. „Ich hätte nie gedacht, dass es hier so viel Kultur und Natur gibt. Das Ruhrgebiet ist eine touristische Attraktion von Deutschland“, schwärmt der Kubaner. „Die Stigmatisierung als Krisenregion halte ich für völlig unangemessen.“

Vor allem die Offenheit der Menschen während der gelebten Nachbarschaft seines einjährigen Aufenthaltes hat ihn nachhaltig beeindruckt. Für den Leser werden in seinen sehr persönlichen Geschichten (https://broststiftung.ruhr/?s=Jes%C3%BAs) vertraute Orte, Menschen und Geschichten durch den Blick von außen neu erfahrbar.

Gleichzeitig spiegelt Irsula das hier Erlebte mit den Ereignissen in seiner Heimat Kuba, die er „zu weit weg von Gott und zu nah an den USA“ verortet. „Freunde erzählen, dass es in den letzten Wochen teilweise bis zu 30 Stunden keinen Strom gab“, erzählt er. „Benzin gibt es nur noch auf dem Schwarzmarkt, für 10 Dollar je Liter. Vielen Menschen fehlt es am Nötigsten.“ Dennoch freut er sich auf die Rückkehr – und den Blick aus dem Fenster auf die Straßen von Havanna…

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Freitag | 12. Juni 2026

Beginn 18:00 Uhr | Einlass ab 17:30 Uhr

Villa Artis | Ruhrstraße 3 | 45468 Mülheim an der Ruhr

Eröffnet wird der Abend durch Prof. Bodo Hombach, Vorsitzender des Vorstands der Brost-Stiftung.