Plädoyer für das WIR
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Gefeierte Ausstellung „GESICHTER DES REVIERS“ mit Fotos von Armin Rohde erzählt Geschichten „vom Ankommen und Dazugehören“
Der Blick des älteren Herrn lässt den Betrachter nicht mehr los, im Gesichtsausdruck von Aliseydi Canbay liegt eine eigene Geschichte. Armin Rohde hat den Moment im Foto festgehalten, als der frühere Bergmann von seinem Sohn Ali umarmt und geküsst wird. Eine berührende Szene – für Rohde das „Symbolbild“ seiner Ausstellung „GESICHTER DES REVIERS – Vom Ankommen und Dazugehören“, die am Wochenende unter großem Besucherandrang im Ruhrmuseum Essen eröffnet wurde.
Auf 16 Porträts hat der Schauspieler und Fotograf die Begegnung mit Menschen festgehalten, die ihre ganz persönliche Migrationsgeschichte schildern. Rohde: „Es sind keine spektakulären, es sind leise Fotos.“ Gefördert von der Brost-Stiftung ist daraus ein Projekt entstanden, in dem sich gelungenes „Ankommen und Dazugehören“ widerspiegelt.
Die Bilder ergänzt ein Buch, in dem die Porträtierten ihren inneren und äußeren Weg in die neue Heimat Ruhrgebiet beschreiben.
„WIR beschreibt nicht Herkunft, sondern Beitrag. Ohne die zahlreichen Migranten wäre unser Land eintöniger.“
— Prof. Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung
Wer guckt gerade wen an?
Professor Ali Canbay ist einer von denen, die nicht nur angekommen sind, sondern inzwischen auf einen erfolgreichen beruflichen Werdegang zurückschauen können. „Ohne den Mut meines Vaters, der ohne Sprachkenntnisse in ein fremdes Land aufgebrochen ist, wäre das aber nicht möglich geworden“, erzählt der Direktor der Medizinischen Klinik am Uniklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum. Die tiefe Dankbarkeit ist im Porträt verewigt.
„Bei allen spürte ich eine große Dankbarkeit der Pioniergeneration gegenüber, die als erste nach Deutschland kam und sich unter extrem eingeschränkten Bedingungen eine Existenz schaffte“, erklärte Armin Rohde bei der Vernissage, zu der neben den Protagonisten der Ausstellung und ihren Familienangehörigen auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen gekommen war.
„Wir wollen zeigen, dass es Geschichten des erfolgreichen Ankommens gibt, die in der aktuellen Debatte oft vergessen werden.“
— Dr. Boris Berger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung
Die markante Bildersprache Rohdes lädt zum Dialog mit den Fotos ein, „man fragt sich, wer gerade wen anguckt“, wie es Professor Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung, beschrieb. „Armin Rohde erkennt Würde, wo andere Etiketten sehen.“
Im Porträt von Serkan Solmaz beispielsweise, das den Sohn türkischer Einwanderer mit seiner Unterschenkelprothese zeigt. Oder beim Luftsprung von Aurora Blandini, in dem sich italienische Lebensfreude, Dynamik und Entschlossenheit verbinden. „Ohne Einwanderung würde unser gesellschaftliches System zusammenbrechen“, sagt Rohde. „Ich mochte die alle, die ich fotografiert habe.“
Emotionen auf Gegenseitigkeit, wie die erneute Begegnung in der Ausstellung belegte. „Ich bin begeistert“, so Radion Bakum. Den Landtagsabgeordneten aus Mülheim an der Ruhr hat Rohde in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft abgelichtet, in der er 1993 aus der Ukraine mit den Eltern angekommen war.
„Ich wünsche mir, dass die Besucher mit dem Aroma in der Seele nach Haus gehen, mit dem ich diese Bilder gemacht habe.“
— Armin Rohde
Du schaffst das!
Neben den Eltern waren es vor allem Lehrer, die den erfolgreichen Integrationsweg unterstützt haben. „Meine Grundschullehrerin hat meine Eltern überzeugt, mich aufs Gymnasium zu schicken“, erzählt Milica Zajac, stellvertretend für viele Menschen ihrer Generation. Heute gibt sie die erlebte Unterstützung als Talentscout weiter. „Es hilft ungemein, wenn jemand da ist, der an dich glaubt und sagt: Du schaffst das!“
Die Porträtierten haben es allesamt geschafft, mit Willen, Fleiß und Engagement. Für Oberbürgermeister Thomas Kufen die Brücke zur erfolgreichen Integration: „Das Ruhrgebiet ist eine Region von Menschen, die sich mit harter Arbeit auskennen. Hier zählt nicht, woher man kommt, sondern wo man gemeinsam hinwill.“
Die von der Brost-Stiftung geförderte Ausstellung „Gesichter des Reviers – Vom Ankommen und Dazugehören“ mit großformatigen Fotos des Schauspielers und Fotografen Armin Rohde ist bis zum 7. Juni kostenfrei im Ruhr Museum auf Zollverein zu sehen.
Auf 16 großformatigen Porträts zeigt die Ausstellung Menschen mit Migrationshintergrund, stellvertretend für tausende Zuwanderer, die das Ruhrgebiet seit Jahrzehnten geprägt haben. Sie zeigt Migrantinnen und Migranten, die integriert sind und ihre kulturelle Identität bewahrt haben.
Mehr Infos zum Projekt gibt es hier: GESICHTER DES REVIERS – Vom Ankommen und Dazugehören