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Von Schnick bis Schnack – Zirkusluft für alle

Joachim Król unterstützt mit Dotation des Brost-Ruhr Preises das Stadtteilzentrum „Circus Schnick-Schnack“ in Herne

VIER von hier und WIR von hier – im Rahmen der Verleihung des Brost-Ruhr Preises 2024 sind sich die Preisträger Dietmar Bär, Peter Lohmeyer, Joachim Król sowie Armin Rohde und die Brost-Stiftung auf besondere Weise nähergekommen. Das ausgezeichnete Schauspielerquartett entstammt dem Ruhrgebiet und fühlt sich, wie Stifterin Anneliese Brost, der Region und ihren Menschen besonders verpflichtet. Deshalb floss die Dotation des Preises (100.000 Euro, aufgeteilt in jeweils 25.000 Euro) umfänglich in soziale Projekte im Ruhrgebiet.
„Das Konzept eines generationsübergreifenden, diversen und inklusiven Stadtteilzentrums mit offenen Angeboten für alle, hat mich sofort überzeugt.“ So begründet Joachim Król seine Unterstützung für den „Circus Schnick-Schnack“, beheimatet auf der „Kulturinsel“ unmittelbar neben der Hauptschule Jürgens Hof in Herne. Hier ist der Schauspieler früher selbst zum Unterricht gegangen.

„Wir haben die Zusicherung, in den nächsten 30 Jahren unsere feste Zeltstadt zu betreiben“, so Christoph Deutsch, geschäftsführender Vorsitzender des Vereins. Auf einer Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern stehen drei unterschiedlich große Zelte, die als Café, für Veranstaltungen oder Training und Workshops genutzt werden. Bei seinem Besuch Anfang Februar 2025 zeigte sich Król äußerst beeindruckt. Gerade war das erste Projekt mit Kindern der Grundschule Jürgens Hof angelaufen: Insgesamt können in diesem Jahr 700 Kinder kostenfrei Zirkusluft schnuppern.

Die Zeltstadt „Circus Schnick-Schnack“ bietet darüber hinaus ein vielfältiges Programm, das von offenen Treffs und Workshops bis hin zu Stadtteilpicknicks reicht. Diese Formate schaffen Begegnungsmöglichkeiten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Deutsch: „Der Stadtteil hat sonst keine Sozialräume mehr, es gibt weder ein Café noch eine Kirche. Wir möchten möglichst vielen Menschen bei uns eine Gelegenheit zum Mittun bieten.“
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1997 aus einem Zusammenschluss von fünf Familien. Von Beginn an war es diesen wichtig, generationsübergreifend, divers und inklusiv zu agieren. Konkrete Ideen, die bereits partizipativ mit Stadtteilakteuren und Bewohnerschaft gesammelt wurden, sind: Stadtteilcafé, „Dorfbackofen“, Repaircafé, Verleihladen, Tauschbörse, Patenschaften, Leseförderung bis hin zu Betreuungsangeboten bei fehlendem Platz in Kita oder Schule.

Angebote für ältere Menschen

Gerade für den Stadtteil Horsthausen mit einer sehr hohen Arbeitslosenquote und hohem Bürgergeld Bezug ist es notwendig, soziale Begegnungsorte mit verschiedenen offenen Quartiersangeboten zu schaffen, die in den letzten Jahren fast vollständig verschwunden sind. Diese Lücke möchte der Circus mit seinen 350 ehrenamtlichen Unterstützern (leisten mehr als 30.000 Stunden jährlich) füllen und so zum „Dritten Ort“ werden. Gemeint ist damit ein Ort, der neben dem ersten (Zuhause) und zweiten Ort (Arbeit) einen Ausgleich ermöglicht, indem offener Raum für Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ermöglicht wird.

„Wir vertreten demokratische Werte. Unser Circus stellt sich klar gegen Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung, rechtes Gedankengut und jegliche Formen von Extremismus. Die Menschen- und Kinderrechte sowie soziale Gerechtigkeit sind Grundlage für unser Handeln. Wir bestärken unsere Mitglieder darin, für sich und die Gemeinschaft Entscheidungen zu treffen und Gesellschaft mitzugestalten. “

— Aus dem Leitbild des „Circus Schnick-Schnack“

Zudem schafft die Förderung durch Króls Dotation des Brost-Ruhr Preises die Basis zum Aufbau eines außerschulischen Lernorts, der auch frei nutzbare Räume fürs Ehrenamt und pädagogische Angebote für ältere Menschen bietet.
Kindern, Jugendlichen und Eltern öffnet sich jeden Montag von 16.30 bis 18.00 die Zirkusmanege, die verschiedensten Akrobatendisziplinen können selbstständig ausprobiert werden. Mit Unterstützung von Trainern, die Aufsichtspflicht liegt jedoch bei den Eltern. Eine Einladung, mit den Kindern gemeinsam etwas auszuprobieren und selbst aktiv zu sein.
Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, indem langfristige Strukturen geschaffen werden, wie die Gründung eines „Vereins der Vereine“, der als ehrenamtlicher Betreiber fungiert. Mit einer engagierten Multiakteursgemeinschaft im Hintergrund und gezielten Maßnahmen zur Qualitätssicherung soll der Erfolg dauerhaft gesichert werden.

P.S. Wir werden an dieser Stelle in lockerer Folge über die Projekte der anderen drei Preisträger berichten.