Gedränge und große Gefühle
Gedränge und große Gefühle
Bei der Urbahn Music Session schafft Gregor Meyle im Essener U-Bahntunnel eine besondere Atmosphäre
Der Chor ist schon zum Eröffnungssong voll da! „I’m an alien, I’m a legal alien, I’m an Englishman in New York …“– mehr als 200 Stimmen unterlegen den live gespielten Sting-Hit mit einem sonoren Klangteppich. Verstärkt vom Hall der großen U-Bahnstation unter dem Essener Rathaus. Willkommen bei Urbahn Music Sessions zu einem kuschel-rockigen Abend. Nach der selbsternannten „Rampensau“ Stefan Gwildis erscheint diesmal überraschend Gregor Meyle (mit Hut) auf dem Treppenabgang. Und reiht sich in die Band um Joyce van de Pol, Benjamin Nauschütz und Joël van de Pol ein. Mit der „Erkennungsmelodie“ des Sängers und Liedermachers „Wir sind doch zum Glück alle ein bisschen verrückt“. Passendes Motto für einen unterirdischen Sonnentag. „Schön, dass ihr hergekommen seid, statt im Eiscafé zu sitzen“, bedankt sich Meyle. Und verspricht ein Konzert mit „Zeit zum Händchenhalten“, in dessen Verlauf er die Zuhörer an den intensiven Erlebnissen seines Lebens teilhaben lässt.
„Ich liebe die Atmosphäre von U-Bahnstationen. In New York wird man demütig, wenn man erlebt, dass dort Künstler, die zehnmal besser sind, als Straßenmusiker ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.“
— Gregor Meyle
Meyle berichtet von der Geburt seiner Tochter, die in den ersten Erdenmomenten auf Papas Brust schläft. Während in dessen Kopf die ersten Zeilen für das Lied „Du bist das Licht“ entstehen. Als der inzwischen längst zum Hit gewordene Song in der Essener U-Bahn erklingt, rücken die Paare noch enger zusammen…
Stichwort Zusammenrücken – an diesem Abend zeigt sich, dass „Urbahn Music Sessions“ zum Erfolgsformat geworden ist. Schon eine Stunde vor Beginn des Konzertes sind die ersten Fans vor Ort, einige „Stammkunden“ mit Klappstuhl, die meisten mit einem Kaltgetränk in der Hand. Direkt vor der Bühne ist es ab 17.30 Uhr rappeldicht, wer zu spät kommt, muss immer wieder auf die Zehenspitzen (oder mindestens 1,85 Meter groß sein). Viele haben ihre Stammplätze, Grüppchen treffen sich zur Session (Start 18.00 Uhr) immer an gleicher Stelle. Wer zu laut quatscht, wird umgehend ermahnt!
So hat der bei Stefan Raab entdeckte Meyle fast Konzertsaal-Ambiente, wenn er von der ersten großen Liebe erzählt, die unglücklich zu Ende ging („Keine ist wie Du“). Oder geheime Konzerte bei der deutschen Nationalmannschaft enthüllt, seine Freundschaft zu Trainer Hansi Flick, dem er das Lied „Einer der Besten“ gewidmet hat. „Ich habe mich riesig gefreut über seinen Erfolg mit dem FC Barcelona und ihn dort auch schon ein paarmal besucht.“
„Ich bin mindestens 200 Tage im Jahr unterwegs zu Konzerten und Auftritten. Das schaffe ich nur durch den intensiven emotionalen Rückhalt der Familie zu Hause.“
— Gregor Meyle
Mit einer Hip-Hop-Einlage offenbart der ebenso begnadete Hobbykoch Meyle seine musikalische Vielfalt und Begabung. Ehe er zum Finale singt, was alle anwesenden Frauen längst mal wieder von ihrem Herzensmenschen hören wollten: „Und du sprichst mir von der Seele. Kennst dich verdammt gut bei mir aus. Wenn ich in deine Augen sehe. Dann weiß ich, ich bin zuhaus.“
Ringsum gehen Handylichter an. Und als Meyle den Refrain dirigiert, ist der Chor erneut voll da: „La-la-la-la-la-la. La-la-la-la-la-la. La-la-la-la. Dann weiß ich, ich bin zuhaus…“