Ruhrgebiet, hör auf zu jammern!
Bei der Ergebnisvorstellung des Projektes „Kommunikationsstress“ an der NRW School of Governance fordert Professor Jörg Bogumil radikales Umdenken
Was hat die Menschen im Revier derart verändert?
In einer neuen repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der NRW School of Governance stimmten 86,5 Prozent der über 60-jährigen der Feststellung zu „Den Menschen im Ruhrgebiet kann man trauen“. Bei den jüngeren „Ruhris“ (16 - 29 Jahre) glauben dies aber nur noch 59,6 Prozent!

Dies war im Ruhrgebiet lange anders, stellt Korte im Projektportrait fest: „Gerade das Ruhrgebiet charakterisierte man lange als Region, in der die lokalen politischen Eliten von der Bevölkerung als zentrale Vermittler im Sinne einer ‘basisnahen Stellvertretung‘ angesehen wurden. Sie waren Teil des Selbstbilds einer regionalen Gesellschaft der kleinen Leute. Die ökonomischen und sozialen Grundlagen dieses Modells verschwanden nach dem Strukturwandel der Region sukzessive“.
Robin Alexander, Chefreporter der „Welt“ machte das Gefühl, als Region abgehängt zu sein, auch am Versagen der SPD fest. „Stellen wir uns nur vor, die Energiewende hätte in Bayern ein Unternehmen wie RWE getroffen, das derart viel Geld in die Haushalte der kommunalen Aktionäre pumpte. Die CSU hätte sich so lange widersetzt, bis genügend Kohle als Ausgleich geflossen wäre. Man sieht, dass die SPD nicht mehr die richtigen Kämpfe führt.“
Furcht vor Überfremdung
Weitere Ergebnisse der Umfrage von Infratest dimap: 53,8 Prozent der Befragten glauben: „Das Ruhrgebiet wird in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Gleichzeitig finden 69,6 Prozent, dass „Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppen“ die Region bereichern. Soziale Ungleichheit gefährdet nach Meinung von 78,5 Prozent der interviewten Ruhrgebietsbürger den sozialen Frieden: „Die großen sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich im Ruhrgebiet sind eine Gefahr für die Gesellschaft“. Und: „Die Probleme der Städte im Ruhrgebiet sind so groß, dass sie die Politik vor Ort nicht mehr lösen kann“ (66,9 Prozent).



Das mochte Prof. Heinrich Theodor Grütter, Chef des Ruhr Museums in der Zeche Zollverein und vierter Teilnehmer in der von Professor Korte moderierten Debatte, nicht stehen lassen: „Baranowski meldet im zweiten Jahr in Folge einen Zuwachs an Industriearbeitsplätzen!“ Gemeint war Frank Baranowski, Gelsenkirchener Oberbürgermeister - von der SPD. „In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird das gesamte Ruhrgebiet eine positive Entwicklung nehmen.“
Fotos: © Alexandra Roth