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Ruhrbischof Overbeck im BrostCast: „Wir müssen in den Abgrund schauen“

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fordert im BrostCast eine konsequentere Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche

22. Dezember 2021

Sein Wort hat Gewicht und Franz-Josef Overbeck (57) pflegt eine klare Sprache. Als Ruhrbischof, Militärbischof der Bundeswehr oder Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz benennt er klar die Herausforderungen und Probleme „seiner“ Kirche. „Wir müssen in den Abgrund schauen“, sagt Overbeck im BrostCast-Gespräch mit dem Journalisten Hajo Schumacher zum Thema der sexualisierten Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen, die wie „ein Grauschleier“ über der Kirche liege. „Es wird Jahrhunderte dauern, bis sie das verlorene Vertrauen zurückgewinnen kann.“

Der Sohn eines Landwirtes spricht von „Zeiten, in denen man nicht säen kann, weil der Acker voller Felsbrocken liegt, die man erst einmal wegräumen muss“. Das Leben in der katholischen Kirche sei gerade „sehr anstrengend“.

Vielfach „balanciere man auf der Rasierklinge“, etwa bei der Frage nach Segnung homosexueller Partnerschaften oder der Rolle von Frauen. Overbeck: „Sie gehören im besonderen Maße zum Bodenpersonal Gottes. Wir brauchen bei der Frage nach dem Zugang zu geistlichen Ämtern für Frauen eine neue Positionierung. Das ist ein notwendiger Schritt mit Blick auf die Gleichheit der Menschen. Aber wir kommen aus einer langen Tradition und ich erwarte keinen Fortschritt in den nächsten Jahren.“

Als bekennender Ruhrgebietsmensch joggt er jeden Morgen durch Essen, die frühere Kohlenbahn entlang. Dabei wird dem „Transformationsbischof“ die Veränderung der Region in der Nase bewusst: „Früher roch es schärfer nach Staub und Kaminen. Das Ruhrgebiet ist ein Ort, an dem man lernen kann, was anderen noch bevorsteht.“

Der Verlust von Mitgliedern sei ein deutlicher Hinweis an andere Diozösen, die Pfarreien würden kleiner, die Herausforderungen in der Verwaltung vielgestaltiger. Aber auch gesellschaftlich befinde sich das Ruhrgebiet im Umbruch. Overbeck: „Hier funktionierte die friedliche Integration lange Zeit über Arbeit und Sprache. Jetzt fällt die Integrationsmaschine Arbeit vielfach weg, damit gleichzeitig der Druck, sich unsere Sprache anzueignen.“ Auch der Glaube als Schmelztigel verliere an Bedeutung.

Hören Sie mehr im BrostCast, in dem Overbeck dennoch die Chancen einer „neuen Freiheit“ sieht. Und in dem er sich zwischen Marxismus und Kapitalismus positioniert.

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