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Rede Prof. Bodo Hombach zum Stiftungstag 2019

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste, verehrter Herr Oberbürgermeister Tischler, lieber Wolfgang,

Dir Dank für das kraftvolle Bekenntnis zur Kulturförderung und den Ausdruck unseres Respektes vor denen, die dabei ihre Kreativität einbringen. Ihnen, liebe Frau Bröker: – sicherlich im Namen aller hier – herzlichen Dank für Ihre freundliche Moderation.

Ich verdichte auf nur ein Betätigungsfeld der Stiftung. Victor Adler, Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, vertrat einen Standpunkt von provozierender Aktualität: „Es ist besser, mit dem Volk zu irren, als gegen das Volk recht zu haben.“ Sein Landsmann, der wuchtige Qualtinger, sah das anders: „Es gibt nichts Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfs zuzuhören.“

Ich bin beim Thema – ein Schlüssel-Begriff im Stiftungsrecht: Volksbildung. Den fand ich zunächst antiquiert – jetzt treffend und nützlich. Durch Aufklärung und Bildung soll das Volk möglichst wenig irren. Unsere Jugend- und Kultur-Austausch-Programme ermöglichen Blicke über Gartenzäune.

Bewährt hat sich auch die umgekehrte Einladung. Mit frischem Blick von außen hat uns Frau Gila Lustiger als erste Stadtschreiberin Ruhr einfühlsame Geschichten geschenkt. Für jeden von Ihnen liegt das wunderbare Buch heute bereit.

Ihr Nachfolger Lucas Vogelsang hat schon Reportagen abgeliefert, in denen selbst Kenner der Region aufregend Neues finden. Sein Abschiedswerk wird pünktlich zur lit.Ruhr am 10. Oktober vorgestellt.

Wir sind stolz, mit Herrn Dr. Wolfram Eilenberger einen großartigen dritten Stadtschreiber Ruhr gefunden zu haben. Heute in Mexiko und in der WAZ porträtiert, wird er beim nächsten Mal ganz sicher hier sein.

Diese profilierten Persönlichkeiten konnten wir gewinnen, weil wir mit dem Team von „lit.Cologne“ – deren „lit.Ruhr“ wir mit Freude unterstützen –, fantastische Insider an unserer Seite haben.

Aus unseren Themenveranstaltungen geht man klüger raus als man reingekommen ist. Heute sind wir fröhlich erwartungsvoll auf die großartigen Gäste der folgenden Diskussion:

  • Herrn Dr. Schumachers abenteuerliche Expeditionen in die digitale Welt dienen unserem Durchblick.
  • Frau Conrady ist aus dieser Welt. Als stellvertretende Chefin des Online-Dienstes der Rheinischen Post arbeitet sie an dessen Weiterentwicklung.
  • Dem Präsidenten des Dortmunder Kirchentages Hans Leyendecker, der dort mit Brost-Unterstützung intensiv über das Thema Medienvertrauen nachdenken ließ, können wir von hier nur gute Besserung wünschen.
  • Herr Schmitt – Wirtschafts- und Investigativ-Journalist des SPIEGEL – arbeitet mit ihm und
  • Herrn Wolfers, dem Chef der Henri-Nannen-Schule, in einem Kuratorium, das jährlich mindestens 20 aufstrebende junge Leute aus der Medienwelt auswählt.

Die haben durch unsere Förderung Mittel und Zeit zu tiefschürfender Wahrheitssuche.

Den Satz: „Auf uns hört ja keiner“ hört man massenhaft. Es gibt mehr Möglichkeiten als je zuvor, seine Meinung zu verbreiten, aber das Gefühl der Irrelevanz gärt in zu vielen. Laut Allensbach-Untersuchung vom Mai sagt nur jeder fünfte Deutsche er fühle sich frei, öffentlich seine Meinung zu sagen. Wen das nicht elektrisiert!

Über Rede- und Meinungsfreiheit wurde Erhabenes in Stein gemeißelt. Der Pragmatiker Churchill meint weniger feierlich: „Die Freiheit der Rede hat den Nachteil, dass immer wieder Dummes, Hässliches und Bösartiges gesagt wird. Wenn wir aber alles in allem nehmen, sind wir doch eher bereit, uns damit abzufinden, als sie einzuschränken.“

Da wird ein Stiftungsauftrag konkret. Wir suchen nicht Unworte, wir wollen zuhören und verstehen, informieren, nicht indoktrinieren.

Oberbürgermeister der Region haben vorgemacht, wie man in unseren Dialogforen mit aufgebrachten Bürgern nicht nur besteht, sondern Respekt aufbaut.

Innenminister Reul und Polizeipräsident Richter haben sich in unseren Sicherheitsforen als realitätsverliebt und gestaltungsstark bewiesen.

Diesen Ansatz, dem Volk aufs Maul zu schauen, ohne ihm nach dem Mund zu reden, haben auch unsere bisherigen praxisnahen wissenschaftlichen Untersuchungen.

Mit der Körber-Stiftung werden wir neue Wege – auch in Kneipen – gehen, um Volksstimme zu hören, zu verstehen und Ideen für ein besseres Leben im Ruhrrevier umzusetzen.

Der Kampf um die Köpfe – in der Tradition der Aufklärung – verlangt die Sicherung der Glaubwürdigkeit unserer Medien. Die sollen uns ein realistisches Bild unserer Welt vermitteln.

Der brillante Musiker Till Brönner hat Bilder in unserer Region gemacht, damit wir uns ein Bild machen können.

Unbehagen an intentionalem Journalismus – der seine Weltanschauung und Haltung verbreiten will – wird spürbar. Man will Fakten unverstellt erkennen. Man will erlebte Realität auch in Medien gespiegelt sehen. Eine Stiftung, die auf Anneliese Brost zurückgeht, ist der Medienförderung tief verpflichtet.

Ich danke denen, die mit uns an der Weiterentwicklung des so wichtigen Lokaljournalismus arbeiten. Macht und Mächtige werden diszipliniert durch die Sorge, dass etwas, was sie verheimlichen wollen, öffentlich wird. Deshalb sind glaubwürdige und enthüllungsfähige Medien konstitutiv für Demokratien. Logisch, dass die Stiftung dem von ihr auf die Schiene geholfenen Projekt CORRECTIV freundschaftlich verbunden bleibt.

Eine ausführlichere Darstellung unseres Wirkens und der Zusammenarbeit mit vielen, die heute hier sind, finden Sie in unserem Jahresbericht.

Wie schön, dass es uns alle gibt – und das auch noch gleichzeitig. Danke!

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