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Hilfe für Helfer

20.000 Euro aus dem Brost-Ruhr Preis zur Unterstützung von Polizisten in Not eingesetzt

Wenn das Schicksal zuschlägt, brauchen auch Polizisten einen Freund und Helfer…
Ein junger Polizeibeamter (33) starb Anfang 2021 mit Covid-19. Zurück bleiben die Frau sowie ein kleines Kind – und große finanzielle Sorgen angesichts geringer Versorgungsansprüche nach wenigen Dienstjahren. Hilfe kam im konkreten Fall von der Polizeistiftung Nordrhein-Westfalen, die den Angehörigen aus ihrem Spendenaufkommen Unterstützung gewähren konnte.

„In den zurückliegenden Jahren hat sich die Stiftung bei der Lösung zum Teil komplizierter Versorgungsfälle bewährt“, erklärt deren Vorsitzender Rainer Axer. Die Organisation wird ausschließlich durch Spenden getragen, tatsächlich ist es vielen Menschen offensichtlich wichtig, der Polizei für ihren täglichen Einsatz etwas zurückzugeben. Axer: „Neben den Spenden der Bürger erhalten wir regelmäßig Zuwendungen von Gerichten, wenn etwa Angeklagte zur Zahlung an eine gemeinnützige Organisation verurteilt werden.“ Und NRW-Innenminister Herbert Reul leitete gerade 20.000 Euro auf das Konto der Stiftung weiter, die von der Brost-Stiftung mit der Verleihung des „Brost-Ruhr Preises“ verknüpft waren.
NRW-Innenminister Herbert Reul wurde als Erster mit dem 2020 ins Leben gerufenen Brost-Ruhr Preis ausgezeichnet. „Zur wirksamen Problembewältigung braucht man Unterstützer und Verbündete“, begründet Brost-Vorstand Prof. Bodo Hombach die Preisvergabe. „Deshalb zeichnet die Brost-Stiftung jedes Jahr eine Persönlichkeit aus, die sich ums Ruhrgebiet und die Menschen hier verdient gemacht hat. Wir sagen damit: Danke und weiter so!“
Damit finanziert die Polizeistiftung unter anderem Ausbildungsversicherungen für Kinder getöteter Kolleg*innen, Rentenversicherung für deren Lebenspartner*innen oder auch Erholungsangebote nach traumatischen Einsatzereignissen. Für Letztere konnte sie 2017 die ehemalige „Villa Waldesruh“ mit Unterstützung der Landespolitik vom Land erwerben.

Wertschätzung für Dienst am Bürger
Vier Wohnungen befinden sich in dem zauberhaften Haus mit einem kleinen Turmerker, aus dessen Fenster man auf die umliegenden Hügel des Oberbergischen Landes blickt. Theoretisch könnten hier diejenigen der 56.000 Mitarbeiter der NRW-Polizei für ein oder zwei Wochen ausspannen, die im Einsatz einen Schaden davontrugen oder einfach nur überlastet sind.
Axer: „Bisher haben zwölf Familien hier Zeit verbracht, man darf allerdings nicht vergessen, dass wir auch seit mehr als einem Jahr Corona-bedingte Einschränkungen haben.“ Für ihn ist wichtig, dass die Beamt*innen mit ihren Familien in der idyllischen Umgebung zur Ruhe kommen können: „Man ist irgendwo, wo es schön ist. Hier muss nix passieren, man lässt es sich einfach gut gehen.“
Er gibt das Haus (vier Wohnungen) bevorzugt an nur eine Familie ab, Kinder haben so zum Beispiel die Möglichkeit, sich ein eigenes Zimmer auszusuchen. Draußen locken Spielplatz und Grillhütte, drinnen Sauna und ein kleiner Wellnessbereich. Axer: „Der Aufenthalt im Alten Forsthaus ist in erster Linie ein Zeichen der Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen, die unter großen Belastungen ihren Dienst durchziehen.“

Traumatische Erlebnisse hinterlassen Spuren
Dabei werden nicht nur regelmäßig Beamte verletzt – die Zahl der Übergriffe wächst in den letzten Jahren beständig – sondern viele müssen auch traumatische Alltagserfahrungen verarbeiten. Axer berichtet von gefährlichen Einsätzen bei häuslicher Gewalt, Schusswaffengebrauch, aber auch von schweren Verkehrsunfällen, „bei denen die Beamten vor Ort Leichenteile bergen müssen“.
Er selbst erinnert sich an Nachtschichten auf der Kriminalwache, in denen er vor gut 15 Jahren mehrfach zu Ermittlungen bei plötzlichem Kindstod ausrücken musste. „An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden wurden wir von Familien gerufen. Die Polizei muss nicht nur den Tod des Säuglings feststellen, sondern die Leiche auch zur weiteren Untersuchung beschlagnahmen. Ich hatte in der Folge tatsächlich Panik, dass wieder ein solcher Einsatz kommt, wenn ich im Dienst bin.“
Bei ihm ließen die Belastungsreaktionen nach, „vergessen oder verdrängt“, aber bei vielen Beamten bleiben Schäden zurück. Axer: „Die Polizei hat Strukturen wie zum Beispiel den psychosozialen Dienst geschaffen. Wir empfehlen jedem Kollegen, nach einem schweren Einsatz in einem Debriefing darüber zu sprechen. Reden hilft.“
Und bestenfalls auch noch ein Aufenthalt im Alten Forsthaus. Axer: „Die Leute werden hier nicht gesund, aber sie finden Zeit, in Ruhe über sich selbst zu reflektieren.“ Damit sie danach weiter ihren Dienst versehen können – als Freund und Helfer der Bürger*innen.

Spendenkonto:
Polizeistiftung NRW
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE19 370502990000072724

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