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Neue Hör.Oper! So wird Carmen zum Gefühlsrausch

Musiktheater im Revier – Hör.Oper, ©James Chan-A-Sue

Projekt für sehbehinderte Menschen geht mit Förderung der Brost-Stiftung weiter

03. März 2022

„Carmen die femme fatale, Carmen die Außenseiterin, Carmen die Hexe. Carmen badet in den Blicken ihrer Zeitgenossen…“

Mit diesen Sätzen beginnt in der Programmankündigung des „Musiktheaters im Revier“ (MiR) die Vorstellung des Opernklassikers von George Bizet. Wie aber erschließt sich die Faszination der Titelheldin, wenn den Zuschauern der optische Zugang verwehrt ist? Mit Förderung der Brost-Stiftung macht das MiR jetzt wieder für blinde Menschen oder solche mit starker Sehbehinderung die Oper zum sinnlichen Erlebnis: Über Kopfhörer wird durch eine(n) Sprecher(in) die Szenerie beschrieben, während die Opernmusik im anderen Ohr zu hören ist.

Die sogenannte „Audiodeskription“ beschreibt Norbert Raestrup, blindes Mitglied des Redaktionsteams, augenzwinkernd so: „Das Bild gewandelt ins Wort, dieses gesprochen am rechten Ort, verbunden mit einem guten Ton – das ist Audiodeskription.“ Seit 2010 bietet das MiR im Rahmen des Projektes Hör.Oper die Möglichkeit zur Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Generalintendant Michael Schulz: „Die Hör.Oper ist eine ganz wichtige Ergänzung unseres Angebots. Das muss ein kommunales Theater einfach leisten!

Nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie kann das Hör.Oper-Programm wieder regulär durchgeführt werden. In dieser Spielzeit stehen in Gelsenkirchen noch drei Vorstellungen auf dem Programm:

  • „Carmen“ am Sonntag, 03. April 2022, 18:00 | Großes Haus
    mit Hör.Oper – Audiodeskription für Sehbehinderte und Blinde
  • „Madame Butterfly“ am Samstag, 28. Mai 2022, 19:30 | Großes Haus
    mit Hör.Oper – Audiodeskription für Sehbehinderte und Blinde
  • „Carmen“ am Montag, 06. Juni 2022, 18:00 | Großes Haus
    mit Hör.Oper – Audiodeskription für Sehbehinderte und Blinde

Um die sehbehinderten Menschen in ihrer Vorstellungskraft zu unterstützen, werden zwei Stunden vor der Vorstellung in einer einstündigen „Sinnesreise“ Kostüme, Perücken, Requisiten und auch das Bühnenbild aus nächster Nähe präsentiert und beschrieben. Der Bühnenraum wird in seiner Dimension und seinen Materialien erfahrbar, Anfassen ausdrücklich erlaubt.

Im Anschluss kann auf 30 Plätzen (ohne Aufpreis) via Kopfhörer das Musikerlebnis mittels Audiodeskription vervollständigt werden. Norbert Raestrup erklärt das Konzept: „Zunächst überlegen wir, wer welche Akte beschreibt. Bei den Generalproben und durch DVDs der Produktion schildern die Sehenden, was sichtbar ist und schreiben das nieder.“ Im Anschluss werde dann jeder Akt mit den Nichtsehenden besprochen. „Dabei erleben wir, ob alles verständlich ist, man etwas ergänzen muss oder Worte fürs bessere Verständnis ausgetauscht werden müssen.“ Die Blinden sagen den Moderatoren, welche Bilder sie bei der Beschreibung „sehen“!

Auf die aktuelle Inszenierung dürfen alle Besucher gespannt sein, das Programm verspricht: „In Georges Bizets „Carmen“ stehen echte Menschen auf der Bühne. Bizets Musik führt aber auch dazu, dass der krankhaft eifersüchtige Don José und die undurchsichtige Carmen sich beim Publikum Gehör verschaffen. In Rahel Thiels Inszenierung reißt Carmen ihr Publikum Hals über Kopf in menschliche Abgründe…“

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