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IHK-Expertin Christiane Auffermann im BrostCast: Ruhrgebiet ist das Reallabor der Zukunft

Sie fordert mehr Selbstbewusstsein und eine Änderung der Frauenrolle

16. März 2022

Angefangen hat alles in einem Boxring! Im BrostCast mit Hajo Schumacher erinnert sich Christiane Auffermann an ihre erste Begegnung mit dem aktuellen Arbeitgeber. „Ich wurde als Logistik-Expertin für eine Veranstaltung der IHK angefragt. Die Rahmenbedingungen: Die Diskutanten sollten sich in einem Boxring gegenüberstehen, der in einer Kirche aufgestellt war. Das fand ich spannend.“

Aus der spontanen Begeisterung wurde mehr, Auffermann firmiert inzwischen offiziell als Kompetenzfeldmanagerin und „Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin“ der IHK Mittleres Ruhrgebiet. Die diplomierte Betriebswirtin beschreibt ihre Tätigkeit mit „Unternehmensbegleiterin, Trendscout, Impulsgeberin (für Innovationen)“ – klingt auch spannender.

Neben der innovativen Jobbeschreibung erläutert sie im Gespräch mit Schumacher vielfältige Initiativen, die das Verhältnis zwischen der Industrie- und Handelskammer und den darin organisierten Wirtschaftsunternehmen neu gestalten sollen. Dazu gehört vor allem eine Modernisierung der internen Strukturen. Auffermann: „Wir haben klassische Organigramme abgeschafft und durch Kreise ersetzt. Der Dienstleistungsgedanke ist noch mehr in den Mittelpunkt gerückt.“ Abteilungsleiter heißen „Kompetenzfeld-Manager“, mit ihrem 19-köpfigen Team will Auffermann den 30.000 Partnerunternehmen auf dem Weg in die Wirtschaft 4.0 als „Ansprechpartnerin auf regionaler Ebene und vor Ort in den Städten unseres IHK-Bezirks“ helfen.

Ihre Herzensthemen? „Mobilität und Stadtumbau“, sagt die frühere Mitarbeiterin des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik. „Eine aktuelle Studie zeigt, wie sich die Städte bis 2050 verändern könnten. Durch Klimawandel sind heiße Sommer mit sehr viel Starkregen zu erwarten. Ist dann beispielsweise das Fahrrad noch ein angemessenes Verkehrsmittel?“ Sie möchte eine Art „Reallabor“ im Ruhrgebiet etablieren, unter Beteiligung aller relevanten Partner. „Dazu gehören die Stadtwerke ebenso wie Experten für Logistik im Bereich letzte Meile.“

Das Ruhrgebiet gehört nach Auffermanns Überzeugung zu den potentiellen Trendsettern im Bereich Innovation. „Hier wird beispielsweise in vielen Bereichen der Cybersicherheit auf Weltniveau geforscht und entwickelt, das gilt auch für den Bereich der Geothermie. Das sind die Erfolgsgeschichten, die wir erzählen müssen.“ Nostalgie-Erzählungen zur Steinkohle und Transformationsproblemen kann sie nicht mehr hören. „Etwas mehr Selbstbewusstsein könnte der Region nicht schaden.“

Dazu gehöre auch das Aufheben des Kirchturmdenkens sowie eine Veränderung des Frauenbildes im Ruhrgebiet der Zukunft – und im eigenen Laden! Auffermann: „Ich war beim ersten Neujahrsempfang erschrocken, obwohl ich aus der Logistikforschung bei der Frauenquote nicht gerade verwöhnt war.“ Aktuell organisierten sich zahlreiche Netzwerke von Unternehmerinnen und Fachfrauen, nicht nur die Kanzlerin der Ruhruniversität Bochum unterstütze diese Entwicklung.

Im BrostCast beschreibt Auffermann unter dem Motto „Reden übers Revier“ wie sie im „Projekt Neustart“ vor allem junge Firmen und Gründer durch Machbarkeitsstudien sowie Anschubfinanzierung fördern will. „Innovation wird aber nur gelingen, wenn wir die Unternehmen dabei mitnehmen.“ Die Weichen werden auf der Vollversammlung 2023 gestellt – dort könnte sie als Kandidatin wieder in den Ring klettern.

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