Die Gäste


Hajo Schumacher stellt seinen Gast als erfolgreichen „Zu-allem-eine-Meinung-Haber“ vor, Micky Beisenherz kontert mit „Hallo, Du Arsch…“ – Auftakt eines BrostCasts der Sorte hart aber herzlich! Inhaltlich spannend, die Sprache oft rauh wie auf den Straßen des Ruhrgebiets, dessen Alleinstellungsmerkmal laut Beisenherz in seiner selbstbewussten „Scheißegaligkeit“ liegt.

Im Gespräch der beiden Unterhaltungsprofis geht es weniger um eine tiefgreifende gesellschaftliche Analyse als vielmehr um den Blick ins Herz der Ruhrgebietsmenschen, zu denen sich Beisenherz, geboren in Castrop-Rauxel, offen bekennt. „Warum soll eine Currywurstbude nicht identitätsstiftend sein?“, fragt der Autor und TV-Moderator ketzerisch. „Wir wollen gar nicht mehr sein. Die Menschen hier sind bescheiden und auf gesunde Weise ambitionslos.“ Gepaart mit Offenheit und Herzlichkeit. Im Gegensatz zum dick aufgetragenen „Mia san mia“ der Münchner Schickeria oder den „Anker-Hoodies“-tragenden Hamburgern.

Beisenherz wehrt sich jedoch gegen jegliche Klischeebildung: „Eine Schimanski-artige Ruhrgebietsidentität gibt es nicht mehr.“ Die Faszination der Region liege im Alltäglichen. Dortmund und andere Großstädte besitzen für den Sohn eines Klempners („Gas, Wasser, Scheiße-Dynastie“) hohe Lebensqualität, nicht zuletzt wegen des vielen Grüns: „Die Leute wollen hier zurecht nicht weg.“

Er selbst lebt aktuell in Hamburg, ist aber mindestens alle vierzehn Tage daheim in Castrop-Rauxel, wo die Familie mit vier Generationen unter einem Dach wohnt. „Vorstellbar wäre für mich eine Rückkehr in Altersteilzeit“, scherzt Beisenherz (44), der zugibt, im Gegensatz zum ehemaligen Brost-Metropolenschreiber Wolfram Eilenberger, „betriebsblind“ für die strukturellen Herausforderungen des Ruhrgebietes zu sein.

Über den BrostCast


Im neuen Podcast-Format „BrostCast“ hat Journalist Dr. Hajo Schumacher insgesamt zehn spannende Persönlichkeiten in halbstündigen Gesprächen befragt. Ihm gelingt es dabei, Nähe zu schaffen. Vorlagen zu geben für persönliche Eindrücke sowie bemerkenswerte Analysen der Lebenssituation im Ruhrgebiet und ganz Deutschland. Starten wird das Format Anfang Dezember mit Bestseller-Autor Wolfram Eilenberger, dessen „versuchte“ Liebeserklärung an das Ruhrgebiet die Debatte um die Zukunftsperspektive der Region befeuert hat.
Schumacher: „Wir haben uns bemüht, möglichst die gesamte Bandbreite der Gesellschaft durch die Gesprächspartner abzubilden. BrostCast ist vielfältig, weiblich und divers. Was angesichts der männlich dominierten Öffentlichkeit des Ruhrgebietes gar nicht so einfach war.“

Prof. Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung: „Die Stiftung will Gutes für die Region und die hier lebenden Menschen anregen und auch selber tun. Dazu muss sie zuhören und gehört werden. Das neue Podcast-Projekt wird in diesem Sinne wirken.“

Hören Sie mehr im „BrostCast“, der Stimme aus dem Herzen des Ruhrgebietes – dort wo die Zukunft gemacht wird! In der zweiten Folge trifft Hajo Schumacher auf Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck (verfügbar ab dem 20.12.).