„Reudig, aber edel“
30. Dezember 2023
Neue Metropolenschreiberin Ruhr der Brost-Stiftung
4. Januar 2024
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Anpfiff für ein pralles Brost-Jahr

Rund um die Fußball-EM 2024 rollt auch in vielen spannenden Stiftungsprojekten der Ball

Die Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern: Es gab Zeiten, da gewannen deutsche Fußballnationalmannschaften noch wichtige Spiele bei großen Turnieren…

Mit Unterstützung der Brost-Stiftung wollen das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund und die Ruhrfestspiele Recklinghausen an eines dieser „Jahrhundertspiele“ erinnern: Deutschland gegen Frankreich, WM-Halbfinale 1982, 8:7 nach Elfmeterschießen! Anlässlich der Europameisterschaft 2024 in Deutschland soll das Dokumentationstheater „Die Nacht von Sevilla – Fußballdrama in fünf Akten“ Kulturpublikum und Fußballfans aus dem In- und Ausland gleichermaßen begeistern.

Anpfiff für ein spannendes Jahr – mit gleichzeitig vielen weiteren ambitionierten Brost-Projekten!

Am 8. Juli 1982 wurde in Sevilla Fußballgeschichte geschrieben mit dem ersten Elfmeterschießen einer WM, dem in der regulären Spielzeit ein viel diskutierter Zusammenprall zwischen Patrick Battiston und dem deutschen Torwart Harald „Toni“ Schumacher vorausging. Den dokumentarischen Theatertext spricht Schauspieler Peter Lohmeyer, Schumacher liest den Schlussmonolog auf der Bühne. 

Nach der Uraufführung bei den Ruhrfestspielen am 14. Mai sind Aufführungen in Dortmund, Mülheim an der Ruhr und Köln fest eingeplant. Weitere Optionen sind in Essen, Gelsenkirchen und an weiteren Kulturorten der 10 Ausrichterstädte der EM 2024 angedacht. Ein kulturelles Ausrufezeichen mitten im Revier.

„Ich freue mich sehr, bei der ‚Nacht von Sevilla‘ dabei zu sein, weil diese Verbindung von Theater und Fußball einzigartig ist“, sagt Schumacher. „Das Publikum kann in einer Unmittelbarkeit, die es so noch nie gegeben hat, mit uns Spielern dieses Jahrhundertspiel erleben, als würden sie neben uns auf dem Platz stehen und in unser Innenleben eintauchen.“

Das Theaterstück soll auch zur Vermittlung kultureller und politischer Werte beitragen. Dies betrifft insbesondere Schüler, die u.a. folgende Fragestellungen im Unterricht thematisieren können: Wie lässt sich mit dem heute in ganz Europa wieder aufflammenden Nationalismus umgehen? Welche Botschaften kann hierbei der Sport im Sinne einer wertebasierten Nachhaltigkeit setzen?

Revolution für das Leben

Mit dem Spannungsfeld zwischen Werten und nachhaltiger Zukunftsplanung setzt sich auch die neue Metropolenschreiberin Ruhr in ihrer Arbeit auseinander. Zum Jahreswechsel folgt auf Nora Bossong „eine der aufregendsten Nachwuchsphilosophinnen des Landes“, so das Philosophie Magazin. Eva von Redecker, die als Philosophin zu Fragen der Kritischen Theorie forscht und auf einem Biohof aufgewachsen ist, setzt sich in ihrem Buch „Revolution für das Leben“ mit Protestbewegungen wie Black Lives Matter, Fridays for Future und NiUnaMenos auseinander, die derzeit weltweit gegen Rassismus, Klimakatastrophe und Gewalt gegen Frauen kämpfen.
In den neuen Protestformen erkennt die 41-Jährige laut Klappentext „Anfänge einer Revolution für das Leben, die die zerstörerische kapitalistische Ordnung stürzen könnte und unseren grundlegenden Tätigkeiten eine neue solidarische Form verspricht: Wir könnten pflegen statt beherrschen, regenerieren statt ausbeuten, teilhaben statt verwerten.“

Wie wird eine Philosophin, die als bekennendes „Landei“ viel über Erdbeeranbau, Direktvermarktung und Pferdezucht gelernt hat, die frühere industrielle Herzkammer erfahren? Im neuesten Buch „Bleibefreiheit“ betrachtet von Redecker Migration aus einem anderen Blickwinkel, definiert Freiheit auch als Gewähr, an einem Ort zu leben, an dem wir bleiben könnten. Wo ließe sich der Gegensatz zwischen gutem Willen und schlecht gemachter Integrationspolitik besser beobachten als im „Melting Pott“ Ruhrgebiet?

Am 10. Januar hält Eva von Redecker (geboren 1982), die in Kiel, Tübingen, Cambridge und Potsdam Philosophie studiert hat, im Ruhrgebiet ihre Antrittsvorlesung.

Lebensgefühl Ruhrgebeat

Für Till Brönner hebt sich am 7. Juni 2024 der Vorhang, diesmal im Bochumer Schauspielhaus zur Premiere von „PULSE!“. In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Bochum hat der Jazz-Weltstar sein persönliches „Erlebnis Ruhrgebiet“ mit einer eigenen Melodie unterlegt, unter dem Titel „Brönner meets Dance“ entsteht gerade eine Tanzperformance.

 „Mit Musik hat das Ruhrgebiet unbedingt zu tun“, so Brönner. „Bei längeren Streifzügen hat man eine Art Road-Movie vor Augen. Arbeit, Industrieruinen, weite Landstriche, erstaunlich viel grün – dazu fällt mir zum Beispiel die Musik von Ry Cooder ein, der wunderbare Filme von Wim Wenders mit seiner Musik bereichert hat. Das passt auch ins Ruhrgebiet.“

Sechs hervorragende TänzerInnen sollen eben diesen Pulsschlag der Region „verkörpern“, die vielfach ausgezeichnete Choreografin Nicole Beutler ist Brönners künstlerische Partnerin. Im Programmbuch des Bochumer Schauspielhauses für die Spielzeit 2023/2024 werden die Motive für das Auftragswerk der Brost-Stiftung so beschrieben: „Das Ruhrgebiet ist ein Gefühl. Mehr als alles andere… Das Ruhrgebiet mit Begriffen wie Industrialisierung oder wirtschaftlichem Aufstieg und Fall erklären zu wollen, scheitert regelmäßig daran, dass vor allem die hier lebenden Menschen das Wesen des Ruhrgebiets verkörpern… Sie sind es, denen man zuhören muss, um den Puls des Potts zu verstehen.“ Lebensgefühl Ruhrgebeat!

Es geht nicht nur um Kunst

Im Jahr 2024 will die Brost-Stiftung den Brückenschlag zwischen Regionen und Kulturen fortsetzen. Sie setzt in ihrem Selbstverständnis auf die Strahlkraft und Sogwirkung der geförderten Ideen, die aufgrund ihrer Innovationskraft auch außerhalb der Region Beachtung und Anerkennung finden sollen. Und so aus der Heimat von Anneliese und Erich Brost wertvolle Anstöße weit übers Ruhrgebiet hinaus geben.

Während Till Brönners „Melting Pott“ weiter durch Europa reist, kommt der kanadische Holzkünstler Carey Newman zur Fortführung des Projektes „Holz trifft Stahl“ nach Deutschland. Mit dem Bochumer Künstler Marcus Kiel, Schöpfer der Skulptur des Brost-Ruhr Preises, will er weiter am gemeinsam gestalteten Kunstwerk arbeiten, welches nach Fertigstellung auf dem Gelände der Zeche Hugo in Gelsenkirchen stehen wird.

Die besondere Herausforderung liegt dabei in der Verknüpfung zweier sehr unterschiedlicher Kunstformen. Kiel verwendet seit 25 Jahren Relikte aus stillgelegten Zechen oder Stahlwerken, wie etwa Schuhe, Handschuhe oder Industrieputzlappen, die er in strenger Geometrie anordnet. Die Fundstücke stehen für eine Vergangenheit verlorener Geschichten.

Carey Newman erzählt Geschichten, die Geist und Seele gleichermaßen berühren. Von Adlern, die zur Sonne aufsteigen, Drachen und Tigern. Er schnitzt seine Erzählungen in Holzstämme, mehrere Hundert Jahre gewachsen, im Durchmesser über einen Meter dick. Es dauert rund drei Jahre, bis aus dem meterlangen Zedernholz ein bearbeiteter „Totempfahl“ wird, gut drei Tonnen schwer.

Im Projekt der Brost-Stiftung geht es um Zusammenhänge zwischen natürlichen Ressourcen und menschlichem Raubbau. Die industrielle Geschichte des Ruhrgebiets wird durch Eisen und Kohle geprägt und symbolisiert. Holz steht als Symbol für die Natur und die weite Landschaft Kanadas. Die Verbindung von Eisen und Holz ist die Verbindung von Ökonomie und Ökologie, Ziel der Künstler ist nicht nur Verbindung, sondern darüber hinaus auch Versöhnung zu gestalten.

„Noch ist völlig offen, wie sich die beiden aus Stahl und Holz gefertigten Teile ergänzen werden“, so Kiel nach mehreren wechselseitigen Besuchen. „Sollte der Zeitplan so bleiben, halte ich eine Realisierung unseres gemeinsamen Kunstwerks im Frühjahr/Sommer 2025 für machbar.“

Jungs aus’m Pott, die Zweite!

„Wann ist ein Mann ein Mann…?“ Im ersten Projektteil „Männerkompass Ruhr“ wird nicht nur nach Antworten auf Herbert Grönemeyers Kultsong gesucht. Im Frühjahr 2024 soll der zweite Teil, der „Männeratlas Ruhr“ Anlaufstellen und Ansprechpartner zu verschiedensten Themen an die Jungs ausm Pott vermitteln…

Gibt es also eine neue, spezifische Männerwelt des Ruhrgebiets – und wie hat sich diese verändert in Zeiten von Feminismus und flüssigeren Übergängen zwischen den Geschlechterrollen? Im „Männerkompass“ äußerten sich dazu bereits Micky Beisenherz, der Bochumer Schriftsteller Frank Goosen, der Dortmunder Pädagoge Ahmet Toprak, die WaPo Duisburg-TV-Kommissarin Yasemin Cetinkaya, die NRW-Integrationsbeauftragte Asli Sevindim, der Männerberater Björn Süfke und viele andere mehr. Alle Infos dazu finden Sie hier: https://broststiftung.ruhr/jungsausmpott/

Als Gast im BrostCast hat „Männercoach“ Marc Pomplun darüber hinaus von seinen persönlichen Tiefenbohrungen in die Seele der Geschlechtsgenossen berichtet. Warum weinen Männer heimlich und warum? Was macht Edin Terzic zum Vorbild für moderne Männer? Hier erfahren Sie es: https://broststiftung.ruhr/darum-weinen-maenner-heimlich/

Der „Männerkompass Ruhr“ hat viele aktuelle Bezüge. Wussten Sie, dass die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt, bei denen Männer die Betroffenen sind, deutlich gestiegen ist. Das geht aus einer aktuellen Statistik hervor, die von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) in Berlin am 03. November 2023 veröffentlicht wurde. Demnach stieg 2022 die Zahl der Hilfeanfragen in Männerschutzeinrichtungen auf insgesamt 421 Fälle. Die Gesamtzahl männlicher Betroffener von häuslicher Gewalt gibt die BFMK unter Berufung auf Sicherheitsbehörden mit fast 70.000 Fällen an.

So soll der „Männeratlas Ruhr“ Möglichkeiten aufzeigen sich Unterstützung zu suchen, Gleichgesinnte zu treffen und sich austauschen zu können. Im Mai 2024 wird der Männeratlas als Internetseite live gehen, beleitet von einer YouTube-Serie und einem Event.


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